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Autor: Marvin Schmidt

Netzwerktreffen der eaf-nrw: „Familie sind wir alle“

Am 1. Juni 2026 hat die eaf-nrw zu ihrem ersten Netzwerktreffen nach Düsseldorf eingeladen. Unter dem Motto „Familie sind wir alle“ kamen Vertreter*innen aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern zusammen – aus Praxis, Verwaltung, Lobbyarbeit, Beratung und Bildung. Ziel war es, Perspektiven zusammenzuführen, Verbindungen sichtbar zu machen und neue Formen der Zusammenarbeit zu eröffnen.

Im Mittelpunkt stand der Austausch. In zwei Workshopphasen wurde gemeinsam daran gearbeitet, Schnittstellen zwischen den unterschiedlichen Arbeitsbereichen zu identifizieren und gemeinsame Fragestellungen zu entwickeln. Unterstützt durch das Mitmachtool „Familie sind wir alle“ konnten Perspektiven gebündelt, sichtbar gemacht und direkt weitergedacht werden.

Dabei zeigte sich schnell, dass viele Themen über einzelne Arbeitsfelder hinausweisen. Fragen von Zeit, Teilhabe und Anschluss zogen sich durch zahlreiche Beiträge und machten deutlich, wie eng individuelle Lebenslagen von Familien mit strukturellen Rahmenbedingungen verknüpft sind.

Ausgehend von der zentralen Frage, an welchen gemeinsamen Themen wir als Netzwerk konkret weiterarbeiten sollten, entstand ein vielschichtiges Bild:

Ein erster Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Familienthemen stärker sichtbar gemacht und politisch wirksam vertreten werden können. Öffentlichkeitsarbeit und Lobbyarbeit wurden als zentrale Aufgaben benannt, die gemeinsam weiterentwickelt werden müssen, um Familie in ihrer ganzen Breite in gesellschaftliche und politische Diskurse einzubringen. Eng damit verbunden ist die Herausforderung der Finanzierung. Viele Teilnehmende beschrieben die Schwierigkeit, tragfähige Finanzierungsstrukturen für Angebote zu entwickeln. Der Wunsch nach Austausch über Fördermöglichkeiten, gemeinsamer Akquise und tragfähigen Modellen wurde deutlich formuliert. Ein weiterer Fokus liegt auf der Entwicklung gemeinsamer Projekte. Die Teilnehmenden sehen großes Potenzial darin, Themen gemeinsam aufzugreifen und in Formaten zu bearbeiten, die an unterschiedlichen Orten anschlussfähig sind. Damit verbunden ist auch das Interesse, gute Beispiele sichtbar zu machen und voneinander zu lernen.

Deutlich wurde zudem die Bedeutung von konkreten Begegnungsräumen. Räume, in denen Austausch möglich ist, in denen Menschen gehört werden und in denen es auch darum gehen kann, ohne unmittelbaren Handlungsdruck zusammenzukommen. Diese Perspektive wurde ergänzt durch die Frage, wie Resilienz von Familien gestärkt und demokratische Erfahrungen im Alltag sichtbarer gemacht werden können. Ein zentrales Thema bleibt die Frage der Zugänge. Unter den Bedingungen knapper personeller und finanzieller Ressourcen stellt sich für viele Einrichtungen die Herausforderung, niedrigschwellige und barrierearme Angebote zu gestalten und miteinander zu vernetzen. Gleichzeitig wurden bereits konkrete Ansätze benannt, wie neue Zugänge entstehen können – etwa durch aufsuchende Formate oder die stärkere Integration von Beratungs- und Bildungsangeboten in bestehende Alltagsstrukturen.

Nicht zuletzt wurde das Netzwerk selbst als Ressource benannt. Der Wunsch nach einem kontinuierlichen Ideentransfer, nach Austausch von Erfahrungen und nach gemeinsamen Entwicklungsprozessen zieht sich durch viele Beiträge.

Ein weiterer zentraler Baustein des Treffens war die Perspektive eines Fachbeirats. In diesem Zusammenhang wurde die Bereitschaft zur Mitwirkung aktiv abgefragt und diskutiert. Bereits während der Veranstaltung haben sich acht Teilnehmende aus dem Netzwerk gemeldet, die ihre Mitarbeit in diesem Gremium einbringen möchten.

Da der Fachbeirat auf maximal zwölf Personen ausgelegt ist, zeichnet sich bereits jetzt ab, dass eine engagierte und zugleich breit aufgestellte Gruppe zusammenkommt, die unterschiedliche fachliche Perspektiven vereint und die Arbeit der eaf-nrw künftig begleiten und stärken wird. Die Wahl des Fachbeirats steht in Kürze an.

Die Ergebnisse des Treffens zeigen: Es gibt eine hohe Bereitschaft, Themen gemeinsam zu bearbeiten und neue Formen der Zusammenarbeit zu erproben. Die eaf-nrw versteht sich dabei als Plattform, die Perspektiven zusammenführt, Austausch ermöglicht und Impulse für die Weiterentwicklung von Angeboten und Strukturen gibt.

Die im Rahmen des Treffens entstandenen Fragestellungen bilden eine wichtige Grundlage für die weitere Arbeit im Netzwerk und werden in die nächsten Schritte – insbesondere in den Aufbau des Fachbeirats – einfließen.

Wenn Kinder mitbestraft werden

Warum Familien von Inhaftierten endlich sichtbar werden müssen

Ich war im Landtag Nordrhein-Westfalen zu Gast bei einer Veranstaltung der Grünen Fraktion unter dem Titel „Unsichtbar betroffen – Kinder von Inhaftierten im Blick“. Schon in der Eröffnung brachte Norika Creuzmann (Grüne Landtagsabgeordnete/ Sprecherin für Kinder und Jugendschutz) eine Aussage in den Raum, die sich wie ein roter Faden durch den gesamten Abend zog: „Kinder und Familien sind unsichtbare Opfer einer Straftat.“

Dieser Satz verschiebt die Perspektive. Er lenkt den Blick auf diejenigen, die nicht im Zentrum strafrechtlicher Aufmerksamkeit stehen und dennoch tief betroffen sind. Kinder und Familien geraten leicht aus dem Blick, obwohl sie die Folgen einer Inhaftierung oft über Jahre hinweg tragen.

„Familien werden mitbestraft“

Nordrhein-Westfalens Justizminister Benjamin Limbach griff diese Perspektive auf und formulierte sehr klar: „Familien von Täter*innen sind mitbestraft.“ Was auf den ersten Blick wie eine zugespitzte Beschreibung wirkt, trifft für viele Familien den Kern ihrer Lebensrealität. Die Inhaftierung eines Elternteils verändert den Alltag grundlegend, sie erzeugt Unsicherheit, Scham und häufig auch soziale Isolation.

Gleichzeitig wurde deutlich, wie sorgfältig hier abgewogen werden muss. Kinder haben ein Recht auf Umgang mit ihren Eltern, gleichzeitig steht ihr Schutz immer im Vordergrund. Kontakte können stabilisieren, Beziehungen erhalten und Entwicklung ermöglichen. In diesem Zusammenhang wurde betont, dass ein familiensensibler Vollzug dazu beitragen kann, Rückfallquoten zu senken und Resozialisierung zu stärken. Es ging dabei um Verantwortung und um langfristige Perspektiven – für die Inhaftierten ebenso wie für ihre Familien.

Kinder zwischen Belastung und Bedeutung

Die Beiträge von Prof. Dr. Christoph de Oliveira Käppler (TU Dortmund) und Martin Wulfert Leiter der JVA Werl machten deutlich, wie sehr Kinder im Spannungsfeld dieser Situation stehen. Beziehungen bleiben für ihre Entwicklung zentral, auch wenn sie unter den Bedingungen einer Inhaftierung stattfinden. Begegnungen mit dem inhaftierten Elternteil können herausfordernd sein, gleichzeitig helfen sie Kindern, ihre Situation zu verstehen und einzuordnen.

Besonders eindrücklich war der Hinweis auf die Bedeutung von Peer-Angeboten. „Peer-to-Peer-Angebote sind für Kinder und Jugendliche die wirkungsvollsten“, so Käppler. In diesen Begegnungen entsteht ein Raum, in dem Erfahrungen geteilt werden können, ohne erklärt werden zu müssen.

Martin Wulfert lenkte den Blick auf die gesellschaftliche Dimension. „Kinder sind ein immenser Resozialisierungsfaktor Inhaftierter“, sagte er und verwies gleichzeitig darauf, wie viele Kinder von der Inhaftierung eines Elternteils betroffen sind. Hinter dieser Zahl stehen Lebensverläufe, die häufig von Unsicherheit geprägt sind und in denen Unterstützung nicht selbstverständlich ist.

Unterstützung, die nicht an Mauern endet

Thomas Wendland (Diakonie für Bielefeld) machte deutlich, dass die Begleitung betroffener Familien häufig an systemischen Grenzen scheitert. Seine Forderung nach einer „Crossover“-Unterstützung beschreibt den Anspruch, Hilfen innerhalb und außerhalb des Vollzugs miteinander zu verbinden. Familien brauchen Kontinuität, gerade in einer Situation, die ohnehin von Brüchen geprägt ist.

In diesem Kontext wurde auch auf unterschiedliche gesellschaftliche Zuschreibungen aufmerksam gemacht. Während inhaftierten Müttern häufig ihre Erziehungsfähigkeit abgesprochen wird, steht diese Frage bei Vätern deutlich seltener im Raum. Für die betroffenen Familien entstehen daraus zusätzliche Belastungen, die sich auf Kinder unmittelbar auswirken.

Offene Fragen, die sichtbar machen, was fehlt

In den Diskussionen wurde spürbar, wie viele Fragen bislang unbeantwortet bleiben. Wie erleben Kinder die Inhaftierung eines Elternteils konkret? Welche Formen von Kontakt sind für sie hilfreich? Wo beginnt und wo endet die Verantwortung der Jugendhilfe? Und werden Kinder in besonderen Kontexten wie Abschiebehaft überhaupt systematisch mitgedacht?

Diese offenen Fragen zeigen, dass es sich nicht um ein Randthema handelt, sondern um eine strukturelle Leerstelle.

„Dieses Thema gehört aus der Nische“

Für mich hat die Veranstaltung eine neue Perspektive eröffnet. Kinder von Inhaftierten leben häufig unter Bedingungen hoher Verdichtung, in denen emotionale Belastungen, Zeitmangel und fehlende Unterstützung zusammenkommen.

Ich nehme für meine Arbeit sehr deutlich mit: Dieses Thema gehört aus der Nische. Es braucht mehr Aufmerksamkeit, mehr Wissen und vor allem mehr Anschlussmöglichkeiten für die betroffenen Kinder und ihre Familien.

Oder anders gesagt:
„Wenn wir über Teilhabe sprechen, dürfen wir die Kinder von Inhaftierten nicht länger übersehen. Ihre Lebenslagen machen sichtbar, wo unsere Systeme Lücken haben.“

Gerade aus der Perspektive der eaf-nrw wird hier ein zentraler Zusammenhang deutlich. Fragen von Zeit, Beziehung und Unterstützung entscheiden darüber, ob Kinder Anschluss finden oder verlieren.

„Kinder von Inhaftierten zeigen in besonderer Weise, wie eng Zeitarmut und Anschlussverlust miteinander verbunden sind. Wer ihre Situation ernst nimmt, versteht sehr schnell, dass es hier um grundlegende Fragen von sozialer Gerechtigkeit geht.“

Anschluss ermöglichen – auch dort, wo er fehlt

Die Veranstaltung hat deutlich gemacht, dass es nicht an Erkenntnissen fehlt, sondern an Sichtbarkeit und an konsequenter Umsetzung. Kinder von Inhaftierten brauchen Räume, in denen sie gesehen werden, Beziehungen, die verlässlich sind, und Strukturen, die sie nicht aus dem Blick verlieren.

Es geht um eine Frage, die weit über dieses Thema hinausweist: Wie gehen wir als Gesellschaft mit den Lebensrealitäten von Kindern um, die nicht im Fokus stehen?

Die Antwort darauf entscheidet, ob es gelingt, Anschluss zu ermöglichen – auch dort, wo er bislang fehlt.

Marvin Schmidt – Geschäftsführer eaf-nrw

Pflege, Familie und Zeit: Eine fehlende Perspektive in der Reformdiskussion

Die Diskussion um eine Pflegereform gewinnt an Dynamik. Es geht um Entlastung, um bessere Unterstützung für pflegebedürftige Menschen und für diejenigen, die täglich Verantwortung übernehmen. Vieles richtet den Blick auf Strukturen: Leistungen, Zuständigkeiten, Abläufe. Das ist notwendig und richtig.

Und zugleich bleibt etwas im Hintergrund, das darüber entscheidet, ob dieses System im Alltag trägt: Zeit.

Pflege geschieht nicht in eigenen Zeitfenstern. Sie entsteht zwischen den Dingen. Zwischen Arbeitszeit und Organisation, zwischen Sorgearbeit und Erledigungen, zwischen Wegen und den vielen kleinen Übergängen eines Tages. Pflege ist Care-Arbeit. Wer eine*n Angehörige*n pflegt, führt keinen zusätzlichen Terminblock aus. Der Alltag verdichtet sich. Abläufe überlagern sich und Entscheidungen entstehen unter Druck.

Das Problem ist nicht die Menge allein. Es ist die Gleichzeitigkeit.

Viele pflegende Angehörige erleben genau das: Sie sind eingebunden, oft täglich, über lange Zeiträume hinweg. Erwerbsarbeit läuft weiter, Familienleben läuft weiter, Organisation läuft weiter. Pflege liegt darüber wie eine zweite oder gar dritte Struktur (Care-Arbeit eigener Kinder), die sich mit allem verschränkt. In dieser Verschachtelung geht selten etwas abrupt verloren. Viel häufiger verschiebt sich etwas leise.

Kontakte werden seltener. Engagement wird vertagt. Beteiligung wird schwieriger.

Wenn Zeit über Teilhabe entscheidet

Was dabei entsteht, lässt sich nur unzureichend als Überlastung beschreiben. Es ist ein schleichender Verlust von Anschluss. Weniger als bewusste Abkehr, eher als Folge fehlender Zeiträume, in denen Begegnung möglich wäre.

Wenn Teilhabe Zeit kostet, wird sie zur Frage von Ressourcen. Ressourcen auf mehrdimensionalen Ebenen.

Diese Dynamik wird in der aktuellen Reformdiskussion bisher nur am Rande sichtbar. Es geht um Entlastung, selten um die Frage, wo im Alltag überhaupt noch Zeit entstehen kann. Es geht um Unterstützungsangebote, weniger um die Frage, wann sie erreichbar sind. Es geht um Vereinbarkeit, selten um die Logik, die Tage überhaupt tragen kann.

Dabei liegt genau hier ein zentraler Hebel.

Pflege verschärft eine Entwicklung, die in vielen Familien längst sichtbar ist. Zeit steht nicht einfach zur Verfügung. Sie ist fragmentiert, gebunden, oft fremdgetaktet. Wege, Öffnungen, Zuständigkeiten greifen ineinander. Was fehlt, ist Zusammenhang.

Und dieser Zusammenhang entscheidet darüber, was im Alltag gehalten werden kann.

Wo keine Puffer entstehen, kippen Tage schneller.
Wo Zeit nicht zusammenhängend erfahrbar ist, wird Planung zu permanenter Anpassung.
Wo nichts verlässlich scheint, schrumpft der Raum für alles, was nicht unmittelbar notwendig ist.

Pflege führt diese Logik vor Augen. Sie macht sichtbar, was geschieht, wenn Zeit dauerhaft unter Druck gerät. Beziehungen werden fragiler. Beteiligung wird seltener. Engagement verliert seinen festen Platz.

Damit verschiebt sich mehr als der individuelle Alltag. Es verschiebt sich, wer überhaupt noch vorkommt – in Gesprächen, in Gremien, in Nachbarschaften, in demokratischen Prozessen.

Eine Pflegereform, die entlasten will, berührt deshalb mehr als die Organisation von Pflege. Sie berührt die Frage, unter welchen Bedingungen Zeit im Alltag verfügbar wird. Sie berührt, was Menschen halten können – und was sie loslassen müssen.

Für Familien bedeutet Pflege nicht nur Verantwortung. Sie verändert das gesamte Gefüge eines Tages. Erwerbsarbeit, Sorgearbeit und Organisation müssen neu austariert werden. Freiräume entstehen dort, wo sie mitgedacht sind. Fehlen sie, werden sie aufgeschoben.

Man merkt es oft erst später.

Wenn Freundschaften dünner werden.
Wenn Termine nicht mehr wahrgenommen werden.
Wenn das Gefühl entsteht, dass das Leben kleiner geworden ist.

Deshalb lohnt es sich, Pflege anders zu rahmen.

Pflege ist eine Frage der Zeitverhältnisse in Familien.
Und sie entscheidet mit darüber, wer Anschluss halten kann.

Für die eaf‑nrw ergibt sich daraus ein Impuls, der über die aktuelle Reformdebatte hinausweist. Pflege, Familie, Vereinbarkeit und Beteiligung lassen sich nicht trennen. Sie beschreiben unterschiedliche Perspektiven auf dieselbe Herausforderung.

Im Kern geht es darum, Bedingungen zu schaffen, unter denen Zeit nicht nur vorhanden ist, sondern nutzbar und verlässlich wird. Tage brauchen Zusammenhang, damit sie tragfähig bleiben.

Wer Pflege stärkt, gestaltet damit auch die Voraussetzungen von Teilhabe.

Und damit die Art, wie wir als Gesellschaft miteinander verbunden bleiben.

Last Call – eaf-nrw-Netzwerktreffen „Familie sind wir alle“

Jetzt noch anmelden und Teil des eaf-nrw-Netzwerkes werden.

Mit unserem ersten Netzwerktreffen seit langem möchten wir einen ersten Aufschlag wagen, Familie, Kinder und Jugend ganzheitlich zu betrachten und fachbereichsübergreifend zu denken.

Lassen Sie uns gemeinsam unterschiedliche Blickwinkel miteinander teilen, Strukturen der Partizipation sowie Angebots- und Hilfsleistungen stärken und passgenau zuschneiden.

Wir freuen uns auf zahlreiche Anmeldungen und einen Push für Familien-, Kinder- und Jugendthemen.

Kinder als Minderheit denken – ein Perspektivwechsel mit Folgen

Kinder werden häufig als Zielgruppe beschrieben, sehr viel seltener als gesellschaftliche Minderheit. Genau hier setzt das Buch „Kinder – Minderheit ohne Schutz“ an. Für die eaf‑nrw ist dieser Perspektivwechsel besonders relevant, weil er eine Frage berührt, die unsere Arbeit zunehmend prägt: Wie organisieren wir Zeit, Teilhabe und Verantwortung unter den Bedingungen einer alternden Gesellschaft?

Das Buch bewegt sich über den Bildungsbereich hinaus und richtet den Blick auf gesellschaftliche Zusammenhänge. Aladin El‑Mafaalani, Sebastian Kurtenbach und Peter Strohmeier beschreiben Kinder als strukturell benachteiligte Minderheit. Damit verschiebt sich der Fokus deutlich in Richtung gesellschaftlicher Verantwortung.

Wenn Kinder als Minderheit ohne politischen Schutz leben, geraten klassische Bildungsinstitutionen an ihre Grenzen. Schulen und Kitas lassen sich dann nicht mehr isoliert als Lernorte verstehen. Sie müssen als Lebensorte gedacht werden, um wirksam zu bleiben. Die Autoren sprechen sich deshalb für eine umfassendere Neuordnung aus, in der Bildung, Betreuung, Beratung, Freizeit und soziale Unterstützung enger miteinander verbunden werden.

Diese Perspektive zielt auf grundlegende Veränderungen. Es geht um mehr als einzelne Programme oder zusätzliche Ressourcen. Im Zentrum steht eine neue Form der Verantwortungsteilung. Schule, Jugendhilfe, Sozialarbeit, Quartier und Kommune rücken näher zusammen und verstehen sich gemeinsam als Träger kindlicher Lebenswelten. Multiprofessionelle Zusammenarbeit bildet dabei die Voraussetzung dafür, dass tragfähige Orte für Kinder entstehen können.

Für die eaf‑nrw ist dieser Ansatz auch deshalb anschlussfähig, weil er einen Zusammenhang sichtbar macht, der in vielen Debatten bislang wenig Beachtung findet: die Frage nach Zeit. Dabei geht es um Zeit als strukturelle Kategorie, die Teilhabe ermöglicht oder verhindert. Zeit beeinflusst, ob Beziehungen wachsen können, ob Unterstützung greift und ob Beteiligung tatsächlich erreichbar wird.

Fehlende Abstimmung zwischen Institutionen, unklare Zuständigkeiten und fragmentierte Abläufe führen häufig zu zusätzlichem Zeitdruck. Dieser Druck wirkt sich unmittelbar auf Kinder, Eltern und Fachkräfte aus. Es entstehen Lücken in Betreuung, Förderung und gesellschaftlicher Teilhabe.

Das Buch macht deutlich, dass diese Lücken ihre Ursache in strukturellen Bedingungen haben. Genau hier setzt auch die Arbeit der eaf‑nrw an, indem Zeit, Teilhabe und soziale Infrastruktur gemeinsam gedacht und weiterentwickelt werden.

Die Perspektive, Kinder als Minderheit zu verstehen, wirkt dabei als klarer politischer Impuls. Sie lenkt den Blick auf eine zentrale Frage demokratischer Gesellschaften: Wessen Interessen finden Gehör und wessen bleiben im Hintergrund?

Die Antwort darauf reicht weit über einzelne Bildungsbiografien hinaus. Sie berührt die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft insgesamt.


Hinweis:
Der Beitrag basiert auf einer Rezension, die im Rahmen der Kampagne „Weil Zukunft mit Kindern beginnt“ auf der Website der Diakonie Rheinland‑Westfalen‑Lippe e.V. erschienen ist.

Den Originaltext finden Sie hier:
Kinder – Minderheit ohne Schutz | Diakonie RWL

Familienpolitik ist Wirtschaftspolitik

Aus dem Zentrum Berlins wurde in dieser Woche (24.03.2026) ein deutliches Signal gesendet: Familienpolitik ist kein Randthema, sondern ein zentraler Standortfaktor für Wirtschaft, Fachkräftesicherung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Beim ersten Familienwirtschaftsgipfel, initiiert von Natascha Sagorski und ihrer Organisation „Familie sind alle“, kamen Vertreter*innen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen, um genau darüber zu sprechen: Wie lässt sich Familien- und Wirtschaftspolitik endlich zusammen denken – und gemeinsam gestalten?

Der Gipfel markierte zugleich den offiziellen Auftakt der Initiative „Unternehmen mit Haltung“, die Familienpolitik als Querschnittsaufgabe versteht und sie aus der sozialen Nische in die Mitte wirtschaftlicher und politischer Verantwortung rückt.

Familienpolitik als Standortvorteil

Deutlich wurde dies bereits in den politischen Impulsen. Bärbel Bas, Bundesministerin für Arbeit und Soziales und Schirmherrin der Veranstaltung, unterstrich, dass eine starke Familienpolitik nicht nur soziale Gerechtigkeit schafft, sondern die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland sichert. Gleichstellung, verlässliche Rahmenbedingungen und die reale Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsarbeit seien kein „weiches Thema“, sondern harte Standortfaktoren – für Frauen wie für Männer.

Bemerkenswert war dabei der parteiübergreifende Konsens: Vertreter*innen von SPD, CDU/ CSU und Bündnis 90/Die Grünen machten deutlich, dass die großen Herausforderungen – Fachkräftemangel, demografischer Wandel, Produktivität und gesellschaftlicher Zusammenhalt – nur gelöst werden können, wenn Familienpolitik und Wirtschaftspolitik nicht länger getrennt gedacht werden. Familienpolitik wurde auf dem Gipfel nicht als Kostenfaktor diskutiert, sondern als Investition in Stabilität und Zukunftsfähigkeit.

Wirtschaft übernimmt Verantwortung – konkret

Dass es dafür keinen Gesetzgeber auf Abstand braucht, zeigte ein zentrales Praxisbeispiel des Abends: Die FUNKE Mediengruppe führte bereits eigenständig eine bezahlte Familienstartzeit ein. Damit ermöglicht FUNKE Partner*innen von Müttern zehn bezahlte Tage Auszeit nach der Geburt eines Kindes – freiwillig, frühzeitig und vor einer bundesgesetzlichen Regelung.

Dieses Beispiel machte eindrucksvoll deutlich, welche Rolle Unternehmen spielen können, wenn sie Familienpolitik als Teil ihrer Verantwortung verstehen. Vereinbarkeit wurde nicht als Zusatzleistung beschrieben, sondern als Beitrag zu Gleichstellung, Mitarbeiterbindung und Unternehmenskultur. Oder anders gesagt: Haltung zeigt sich im Handeln.

Austausch auf Augenhöhe

Der Familienwirtschaftsgipfel überzeugte dabei nicht nur durch prominent besetzte Podien, sondern vor allem durch den offenen Austausch zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Diskutiert wurde über institutionelle Taktungen, über Zeit als knappe Ressource für Familien, über strukturelle Diskriminierung von Eltern im Arbeitsleben und über die Notwendigkeit, Care-Arbeit endlich mitzudenken – in politischen Prozessen ebenso wie in unternehmerischen Entscheidungen.

Dass Familienpolitik viele Politikfelder berührt – Arbeit, Wirtschaft, Gesundheit, Bildung, Soziales – wurde an diesem Abend greifbar. Genau hier setzte auch das Selbstverständnis der Veranstaltung an: Familienpolitik als verbindendes Thema, das gesellschaftliche Resilienz stärkt und demokratische Teilhabe fördert.

eaf‑nrw und eaf‑bund vor Ort

Als eaf‑nrw waren wir beim Familienwirtschaftsgipfel eingeladen und haben den Abend als wichtigen Impuls erlebt, Familienpolitik stärker als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu verankern. Neben uns nahm auch die eaf‑bund an der Veranstaltung teil – ein wichtiges Signal, dass familienpolitische Fragen auf Bundes- wie Landesebene zusammengedacht werden müssen.

Für die Arbeit der eaf‑nrw bestätigt der Gipfel zentrale Erfahrungen aus unserer Praxis: Zeitliche Entlastung, verlässliche Rahmenbedingungen und echte Vereinbarkeit sind keine individuellen Probleme einzelner Familien, sondern strukturelle Herausforderungen. Sie entscheiden darüber, ob Familien Anschluss finden – an Arbeit, an gesellschaftliche Prozesse und an demokratische Beteiligung.

Ein Auftakt mit Wirkung

Der erste Familienwirtschaftsgipfel war mehr als eine gelungene Veranstaltung. Er war ein Auftakt. Ein Ort, an dem sich zeigte, dass Bewegung möglich ist, wenn Politik und Wirtschaft Verantwortung teilen – und Familien nicht länger nur mitgedacht, sondern konsequent ernst genommen werden.

Familienpolitik ist Wirtschaftspolitik. Nicht als Schlagwort, sondern als gemeinsamer Auftrag.

Leseempfehlung: FPI – Familienpolitische Informationen

Die neueste Ausgabe des familienpolitischen Fachmagazins FPI der eaf-bund ist erschienen und wie immer eine Leseempfehlung von uns.

Unter anderem behandelt die aktuelle Ausgabe den Jugendmedienschutz und Beziehungsarbeit als präventiven Schutzansatz (Thorsten Krause, Sandra Liebender, Caroline Walke), sowie das Thema Gleichberechtigung von Frauen im Anschluss an die Geburt (Dr. Johanna Possinger).

Auch Zeit als Eintrittskarte und Anschlussverlust wird in dieser FPI aufgegriffen und in einen Artikel unseres Geschäftsführers Marvin Schmidt vertieft.

Die aktuelle Ausgabe finden Sie untenstehend:

Zeit als unsichtbare Infrastruktur

Ein Arbeitsstand

Seismograf-Vertiefung: Wie Zeitarmut Anschluss, Beteiligung und Kooperation neu ordnet

Zehn Minuten Verzögerung. Nicht, weil jemand zu spät kommt. Sondern weil ein dringendes Elternthema dazwischen rutscht.
So beginnt dieses Gespräch – und eigentlich auch die Diagnose.
Denn Zeit ist längst nicht mehr nur der Hintergrund, vor dem pädagogische Arbeit stattfindet. Zeit ist selbst zum Thema geworden: für Eltern, für Fachkräfte, für Leitungen. Und häufig zum Engpass.

Zeitarmut ist kein Gefühl. Sie ist ein Strukturzustand.

Im ersten Seismografen haben wir Zeitarmut als zentrales Muster beschrieben – verbunden mit Folgen für Teilhabe, Beteiligung und Alltagshandeln. Die Gespräche der letzten Wochen bestätigen diese Diagnose deutlich. Und sie schärfen sie.
Der Seismograf ersetzt seine Diagnose nicht. Er erhöht die Auflösung.

Zeitarmut ist milieuübergreifend – auch dort, wo man sie nicht erwartet

Besonders erhellend ist der Blick in ein Umfeld, in dem Beteiligung eigentlich naheliegt: eine Elterninitiative-Kita mit „eher privilegierter“ Elternschaft.
Ressourcen sind vorhanden. Engagement ist grundsätzlich hoch. Und doch stoßen Eltern an klare Grenzen – nicht am Willen, sondern an der Zeit.
Viele Kinder sind über große Zeiträume am Tag angebunden, häufig im 45-Stunden-Modell. Damit wird Familienzeit knapp, zerschnitten und belastet. Es fehlt nicht an Motivation, sondern an Puffer.

Zeitarmut bedeutet nicht nur „zu wenig Minuten“. Zeitarmut bedeutet: zu wenig Spielraum. Kaum frei verfügbare Zeit.

Diese Beobachtung ist wichtig, weil sie eine verbreitete Annahme korrigiert: Zeitarmut ist nicht automatisch dort am stärksten, wo Ressourcen fehlen. Sie ist oft dort besonders wirksam, wo Alltagstaktung, Ansprüche und Koordination hoch sind – und Reserven fehlen.

Das Beteiligungsparadox: Viele wollen – und können doch nicht

Eltern spiegeln: „Wir möchten uns gern stärker beteiligen.“ Und im gleichen Atemzug: „Wir schaffen es nicht zusätzlich.“
Damit wird ein Kernmechanismus sichtbar:

Beteiligung scheitert selten am Wollen – häufig an der Machbarkeit.

Wenn Veranstaltungen, Abende oder Gremien schlecht besucht sind, ist das nicht zwingend Desinteresse. Unter Zeitdruck wird Beteiligung selektiv – nicht nur entlang von Einkommen oder Bildung, sondern entlang von Zeitpuffern.
Wer flexibel ist, wer ein verlässliches Netzwerk hat, wer Ausfälle kompensieren kann, bleibt eher sichtbar. Wer keine Puffer hat, verschwindet leise aus Beteiligungsräumen – ohne je „Nein“ gesagt zu haben.

Zeit ist die stille Schere.

Hohe Betreuungszeiten verschärfen die Kooperationsfrage – und entziehen ihr die Zeit

Aus Perspektive der Kita-Leitung liegt die nächste Verdichtung nahe: Gerade bei langen Betreuungszeiten braucht es eigentlich einen eng getakteten Austausch zwischen Eltern und Kita, damit Kinder ganzheitlich begleitet werden können.
Eltern und Kita müssen „an einem Strang ziehen“. Der Abstimmungsbedarf ist hoch.
Und doch passieren im Alltag häufig die gegenteiligen Effekte: knappe Übergaben, kurze Fenster, wenig Reserven. Gespräche werden organisatorischer. Pädagogische Feinabstimmung wird seltener.
Hier entsteht ein strukturelles Dilemma:

Der Kooperationsbedarf wächst – die Kooperationsfähigkeit sinkt.

Das ist keine Frage von Haltung oder Professionalität. Es ist eine Frage von Zeitarchitektur.

Anschlussverlust: Wenn Netzwerke fehlen, wird Zeitarmut stärker

Ein weiterer Befund aus den Gesprächen wirkt zunächst überraschend: Auch in privilegierten Kontexten berichten Eltern von fehlenden tragfähigen Netzwerken.
Netzwerke brauchen Zeit. Zeit für Treffen, Wiederholung, spontane Hilfe, Routinen. Wenn diese Routinen fehlen, wird Alltag zur Einzelleistung.
Und Einzelleistung verstärkt Zeitarmut: Wer allein organisiert, muss mehr koordinieren. Wer mehr koordiniert, hat weniger Luft. Wer weniger Luft hat, baut kein Netzwerk.

Anschlussverlust ist Folge – und Verstärker – von Zeitarmut.

Damit wird Zeitarmut nicht nur „privat“. Sie verändert Sozialräume und Zugehörigkeit – und damit Teilhabechancen.

„Eltern-Talk“- NRW (ajs): Anschluss ist möglich – wenn Formate anders gebaut sind

Der Strang aus Köln zum Eltern-Talk NRW (ajs) liefert ein wichtiges Gegenprinzip. Er zeigt: Anschluss kann trotz Zeitknappheit entstehen – wenn Formate anders gebaut sind.
Das Format „Eltern-Talk“ schafft einen geschützten Raum. Er ist peer-nah, häufig mehrsprachig, und bietet unmittelbaren Mehrwert: Austausch, Entlastung, Zugehörigkeit.
Das Entscheidende ist nicht nur soziale Niedrigschwelligkeit, sondern zeitliche Niedrigschwelligkeit: Das Format ist so gestaltet, dass Teilnahme in verdichtete Wochen hineinpasst.

Zeitarmut bedeutet nicht, dass Beteiligung unmöglich ist. Zeitarmut bedeutet, dass Beteiligung anders aussehen muss.

Diakonie Deutschland: Zeitarmut als Teilhabe- und Demokratiethema

Im Austausch mit der Diakonie Deutschland (Zentrum Kinder, Jugend, Familie und Frauen) wurde deutlich, dass Zeit nicht nur eine individuelle Ressource ist, sondern eine gesellschaftspolitische Kategorie: eng verbunden mit Care-Arbeit, Vereinbarkeit und strukturellen Teilhabebedingungen.
Wer keine Zeit hat, kann schwerer andocken. Schwerer mitreden. Schwerer gehört werden. Damit wird Zeitarmut zu einem Demokratie- und Anschlussfähigkeitsthema.

Demokratie braucht Zeit – und genau daran mangelt es vielen.

In diesem Rahmen wurde der Seismograf als wertvoll und spannend gespiegelt: als Instrument, das ein verbreitetes Phänomen strukturiert sichtbar machen kann – jenseits von Appellen.

Medien als Entlastungsstrategie: Ein Indikator für Verdichtung

Eine weitere Tiefenschicht eröffnet der Kontakt zu zwei Pädagoginnen, die im März mit einem medienpädagogischen Konzept starten – mit explizitem Blick auf das Medienverhalten von Eltern.
In der Diskussion taucht Zeit sofort auf: Medien schaffen Entlastungsmomente. Das Kind ist beschäftigt – Eltern gewinnen Minuten. Aufgaben lassen sich erledigen. Kurze Atempausen werden möglich.
Damit verschiebt sich die Perspektive:

Medien sind häufig weniger ein Moralthema als ein Zeitpuffer.

Wer Zeitarmut verstehen will, muss solche Bewältigungspraktiken verstehen – ohne vorschnelle Bewertung, aber mit Blick auf Ursachen und realistische Alternativen.

Was sich verdichtet: Eine Diagnose in höherer Auflösung

Aus den Gesprächen ergibt sich ein klares Bild – nicht in Form neuer Themen, sondern als präzisere Struktur:

Zeitarmut wirkt milieuübergreifend.

Sie produziert das Beteiligungsparadox („Wollen ja – können nicht“).

Sie verschärft das Kooperationsdilemma (mehr Bedarf, weniger Zeit).

Sie treibt Anschlussverlust (Netzwerke erodieren, weil Zeit fehlt).

Sie verändert Alltagspraktiken (Medien als Entlastung).

Und sie berührt demokratische Teilhabe.

Zeit entscheidet zunehmend darüber, wer sichtbar bleibt.

Was folgt daraus? Nicht mehr Appelle – sondern neue Taktungen

Wenn Zeitarmut strukturell ist, müssen Antworten strukturell anschließen.
Nicht im Sinne großer Programme. Sondern im Sinne neuer Takte: kürzer, häufiger, verlässlicher. Formate, die nicht nur „einladen“, sondern möglich machen.
Beteiligung braucht Zeitrealismus. Anschluss braucht Räume, die Zugehörigkeit stiften. Kooperation braucht Routinen, die Austausch auch bei hoher Betreuungszeit tragen. Und Medienpädagogik braucht eine Perspektive, die Entlastungslogiken ernst nimmt.

Kooperation braucht Takt – nicht Appelle.

Der Seismograf ist damit kein Endpunkt, sondern ein laufendes Instrument: Er macht Verdichtungen sichtbar, benennt Widersprüche und formuliert Ansatzpunkte so, dass sie im Alltag andocken können.
Die entscheidende Frage bleibt: Wenn Zeit knapp ist – wie organisieren wir Teilhabe so, dass sie nicht zur Frage von
Zeitpuffern wird? Und wie verknüpfen wir Angebote so miteinander, dass ein Mehrwert stets überwiegt?

Marvin Schmidt – Geschäftsführer eaf-nrw

Zwischen Zeitarmut und Einsamkeit: Warum Teilhabe Zeit braucht

Warum Zeitarmut gesellschaftlichen Anschluss kostet

Einsamkeit ist kein Randphänomen und kein individuelles Versagen. Das wurde beim Fachtag „Einsamkeit. Einsamkeit wahrnehmen – Einsamkeit begegnen“ des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. deutlich: Einsamkeit durchzieht alle Altersgruppen, Lebenslagen und sozialen Milieus. Sie entsteht dort, wo Zugehörigkeit brüchig wird, Begegnungen fehlen und wo Menschen den Anschluss verlieren.

Was dabei häufig übersehen wird: Einsamkeit hat auch eine zeitpolitische Dimension.

Einsamkeit ist oft eine Frage von Zeit

Viele Menschen wissen, dass Begegnung hilft. Sie wissen, wo Angebote existieren. Und dennoch bleiben sie fern. Nicht aus Desinteresse – sondern aus Zeitmangel.

Zeitarmut wirkt dabei doppelt:

Sie erschwert soziale Teilhabe und sie erschöpft emotional.

Beim Fachtag wurde deutlich:

Zeitmangel, prekäre Lebenslagen, Care-Verantwortung, Schichtarbeit oder finanzielle Unsicherheit verdichten sich zu einer strukturellen Erfahrung von Ausschluss. Wer permanent organisiert, versorgt, arbeitet oder kompensiert, dem fehlt nicht nur freie Zeit – sondern auch die Kraft für Beziehungspflege, Engagement und demokratische Beteiligung.

Einsamkeit ist damit nicht nur ein individuelles Gefühl, sondern eine strukturelle Folge von Zeitungerechtigkeit.

Anschlussverlust beginnt vor der Einsamkeit

In vielen Fachbeiträgen und Foren des Fachtags zeigte sich ein gemeinsames Muster:

Einsamkeit entsteht häufig nach einem schleichenden Anschlussverlust.

Es fehlt Zeit für informelle Begegnungen. Es bestehen zu häufig Angebote, die zeitlich oder organisatorisch nicht erreichbar sind und wir sehen Lebensrealitäten, die sich nicht mit institutionellen Taktungen vereinbaren lassen.

Besonders betroffen sind Familien, Alleinerziehende, Menschen in Armut, junge Erwachsene und Personen in Übergangsphasen. Wer keine Zeit hat, verliert nicht selten zuerst den Anschluss – und später das Gefühl von Zugehörigkeit.

Zeitgerechtigkeit als Schlüssel zu Teilhabe

Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft Familie NRW (eaf-nrw) setzt deshalb einen bewussten Schwerpunkt auf Zeitarmut und Zeitgerechtigkeit.

Denn:

Einsamkeit lässt sich nicht allein durch mehr Angebote bekämpfen. Es braucht zeitlich erreichbare, lebensnahe und anschlussfähige Strukturen.

Zeitgerechtigkeit bedeutet, dass wir Teilhabe nicht an Idealbiografien ausrichten, Begegnung auch dort zu ermöglichen, wo Zeit knapp ist und Demokratie alltagstauglich denken, sprich in Beteiligungsformaten.

Einsamkeit zu begegnen, heißt deshalb auch, Zeit neu zu verteilen – politisch, sozialräumlich und institutionell.

Dokumentation als Einladung zum Weiterdenken

Die Dokumentation des Fachtags macht diese Zusammenhänge sichtbar. Sie bündelt Perspektiven aus Wissenschaft, Praxis, Politik und Zivilgesellschaft und zeigt:

Einsamkeit ist ein Querschnittsthema – mit Auswirkungen auf Gesundheit, Demokratie und sozialen Zusammenhalt.

Gleichzeitig ist sie eine Einladung, Einsamkeit nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit Zeitarmut, Teilhabe und Anschlussfähigkeit zu denken.

Hier war neuerlich das eaf-nrw-Mitmachtool „Familie sind wir alle“ ein starkes Instrument um miteinander in den Austausch zu kommen und den Blick zielgerichtet auf Lösungsansätze zu fokussieren. Ergebnisse der Befragung sind ebenfalls Teil der Dokumentation.

Die vollständige Dokumentation finden Sie nachfolgend.

 

Zeitarmut als Strukturproblem

Beobachtungen aus dem eaf-nrw-Seismografen zu Beteiligung, Anschluss und Demokratie

Ein Arbeitsstand

Warum Zeitarmut mehr ist als ein individuelles Problem

Zeitarmut ist kein neues Phänomen. Neu ist jedoch, wie deutlich sie sich heute als strukturelles Ausschlusskriterium zeigt – insbesondere für Familien, junge Menschen und jene, die sich eigentlich beteiligen wollen. Im Rahmen des eaf-nrw-Seismografen beschäftigen wir uns seit einigen Wochen mit der Frage, wo und wie gesellschaftlicher Anschluss verloren geht, ohne dass dies offen thematisiert wird. Dabei rückt Zeit zunehmend als eine unsichtbare Voraussetzung in den Mittelpunkt: für Beteiligung, Engagement, Mitwirkung und demokratische Praxis.

Der Seismograf versteht sich dabei nicht als Bewertung einzelner Akteur*innen oder Formate, sondern als Instrument, um Bruchstellen sichtbar zu machen, an denen gute Absichten strukturell ins Leere laufen.

Ein zentraler Impuls: Beteiligung scheitert selten am Wollen

Ein wichtiger Impuls für diese Vertiefung kam aus einem Gespräch mit Nathalie Klüver, die seit Jahren zu Familienpolitik, Jugendbeteiligung und gesellschaftlicher Teilhabe arbeitet.

Ihre Beobachtung lässt sich wie folgt zusammenfassen:

Beteiligung scheitert in vielen Fällen nicht am fehlenden Interesse, sondern an stillschweigenden Voraussetzungen – insbesondere an Zeit, Planbarkeit und dauerhafter Verfügbarkeit.

Diese Perspektive ist deshalb so relevant, weil sie den Fokus verschiebt:

Nicht die Motivation der Menschen steht im Zentrum, sondern die Strukturen, in denen Beteiligung organisiert wird.

Für den Seismografen war dies kein Ergebnis, sondern ein Arbeitsauftrag:

Wenn Zeit zur Voraussetzung wird – wer kann dann überhaupt noch mitmachen?

Zeitarmut als „Rushhour des Lebens“

Diese Beobachtungen lassen sich gut mit dem verbinden, was u.a. Theresa Bücker als „Rushhour des Lebens“ beschreibt:

Eine Lebensphase, in der sich Erwerbsarbeit, Sorgearbeit, Bildungsanforderungen, Engagement und emotionale Verantwortung verdichten – insbesondere bei Eltern junger Kinder. Zeit ist in dieser Phase nicht gleichmäßig verfügbar, sondern fragmentiert, schlecht planbar, oft fremdbestimmt.

Beteiligungsformate jedoch – ob politisch, zivilgesellschaftlich oder institutionell – setzen häufig genau das Gegenteil voraus, nämlich verlässliche Zeitfenster, langfristige Planung, kontinuierliche Präsenz.

Hier entsteht ein struktureller Widerspruch, der selten offen benannt wird.

Beobachtungen aus der Praxis: Familienzentren & Fachpraxis

Rückmeldungen aus der Praxis, insbesondere aus Familienzentren, bestätigen diese Spannung.

Immer wieder zeigen sich ähnliche Muster:

  • Eltern möchten sich beteiligen, stoßen aber an zeitliche Grenzen
  • Angebote werden wahrgenommen, aber nicht dauerhaft gehalten
  • Übergänge (z. B. Kita → Schule, Beratung → Beteiligung) brechen ab

Auffällig ist, dass diese Abbrüche häufig individualisiert werden („die Eltern sind schwer erreichbar“, „Engagement ist rückläufig“), obwohl sie strukturell erklärbar sind.

Zeitarmut wirkt hier wie ein leiser Filter:

Sie schließt nicht offen aus – sie lässt Anschluss einfach versanden.

Einsamkeit, Beteiligung und Zeit: Eindrücke vom Fachtag

Auch der jüngste Fachtag zum Thema Einsamkeit im Diakonischen Werk Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. hat diese Dynamiken sichtbar gemacht.

In Workshops, Fachimpulsen und im gemeinsamen Wrap-up wurde deutlich:

  • Einsamkeit ist nicht nur emotional, sondern auch strukturell bedingt
  • fehlende Zeit verhindert Beziehungspflege und Beteiligung
  • Menschen ziehen sich nicht zurück – sie fallen heraus

Unser eingesetztes Mitmachtool zur Ergebnissammlung zeigte eindrücklich, wie stark das Thema Zeit in den Beiträgen mitschwang – selbst dort, wo es nicht explizit abgefragt wurde.

Einsamkeit, Beteiligung, Anschluss und Zeitarmut sind damit keine getrennten Themen, sondern eng miteinander verwoben.

Anschlussfähigkeit als demokratische Frage

Hier knüpfen auch Überlegungen von Aladin El-Mafaalani an, der in seinen Arbeiten immer wieder auf die Herausforderungen des demografischen Wandels und die wachsende Komplexität gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse verweist.

Wenn Beteiligung immer anspruchsvoller, zeitintensiver und voraussetzungsreicher wird, stellt sich eine zentrale demokratische Frage:

Wer kann unter diesen Bedingungen überhaupt noch dauerhaft teilhaben?

Anschlussfähigkeit ist damit nicht nur eine soziale, sondern auch eine demokratische Kategorie.

Offene Fragen des Seismografen

Der eaf-nrw-Seismograf geht diesen Fragen weiter nach – nicht mit fertigen Antworten, sondern mit bewusst offenen Leitfragen:

  • Wo setzen unsere Beteiligungsformate Zeit stillschweigend voraus?
  • An welchen Übergängen verlieren Menschen Anschluss – nicht aus Desinteresse, sondern aus Zeitmangel?
  • Wer kann sich Beteiligung realistisch leisten, und wer nicht?

Diese Fragen richten sich an Praxis, Politik und Zivilgesellschaft gleichermaßen.

Ausblick: Der Seismograf als Arbeitsprozess

Der Seismograf ist kein Projekt mit klarer Laufzeit, sondern ein laufender Beobachtungs- und Reflexionsprozess. Ziel ist es, Wahrnehmungen zu bündeln, Erfahrungen sichtbar zu machen und neue Gesprächsräume zu öffnen.

Zeitarmut erscheint dabei zunehmend als ein Schlüsselthema, um Beteiligung, Einsamkeit und demokratische Anschlussfähigkeit gemeinsam zu denken.

Der weitere Weg wird davon geprägt sein, Praxisstimmen, wissenschaftliche Perspektiven und eigene Beobachtungen miteinander ins Gespräch zu bringen – offen, dialogisch und mit Blick auf strukturelle Lösungen.

Marvin Schmidt / Geschäftsführer eaf-nrw

eaf-nrw-Seismograf

In Gesprächen mit Trägern, Einrichtungen und Engagierten zeigt sich immer häufiger, dass Zeit im Alltag von Familien und Jugendlichen nicht als gestaltbarer Raum, sondern als knappe Ressource erlebt wird. Beteiligung, Engagement und Angebote scheitern dabei oft nicht an fehlendem Interesse, sondern an fehlender zeitlicher Verfügbarkeit.

Die eaf-nrw startet vor diesem Hintergrund einen Seismografen für Familienrealitäten. Dieser versteht sich nicht als Studie und nicht als Bewertung, sondern als beobachtendes Instrument, das Wahrnehmungen aus Praxis, Alltag und Beteiligungskontexten bündelt und sichtbar macht.

Der erste thematische Aufschlag widmet sich der Frage von #Zeitarmut bei Familien und Jugendlichen. Dabei knüpfen wir an bekannte Debatten zur Zeitverdichtung an und richten den Blick zugleich auf die konkrete Frage, wie sich diese Entwicklungen aktuell auf Beteiligung, Engagement und demokratische Praxis auswirken.

Unseren Soft-Launch können Sie der beigefügten PDF entnehmen.

 

„Wo Familien mitreden, wächst Demokratie“

Unter diesem Motto fand unser Fachtag am 26. November 2025 in den Räumlichkeiten des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. statt. Es galt diesen mit Inhalten, Expertise und einer klaren Vision zu füllen und Teilnehmer*innen unterschiedlicher Fachbereiche miteinander zu vernetzen.

„Politik hat großen Einfluss auf das Leben unserer Kinder und ihnen so früh wie
möglich demokratische Grundwerte zu vermitteln, ist entscheidend.“

Mit einer ebenso bewegenden wie motivierenden Keynote legte Natascha Sagorski (Autorin, Aktivistin, Gründerin), eine großartige Basis für die anschließenden Gespräche. Sie zeigte ihren persönlichen Weg von der Leitung einer PR-Agentur und Autorin, über ihren politischen „Erweckungsmoment“ hinzu ihrer aktivistischen Tätigkeit für die gesetzliche Verankerung eines gestaffelten Mutterschutzes und der Gründung einer NGO. Sie zeigte Möglichkeiten und Wege auf, Kindern im häuslichen als auch institutionellen Kontext demokratische Werte mit auf den Weg zu geben und eigene Selbstwirksamkeit zu erfahren. „Politik hat großen Einfluss auf das Leben unserer Kinder und ihnen so früh wie möglich demokratische Grundwerte zu vermitteln, ist entscheidend.“ so Sagorski.

Talkrunde ist sich einig

Anschließend an den Beitrag von Natascha Sagorski, war eben jene auch Teilnehmerin einer Talkrunde. Neben Korneluis Knettel, dem Schulleiter eines Düsseldorfer Familiengrundschulzentrums, Alex Liefermann (Elternvertreter & TV-Macher) wurde die Runde um Nicole Ganss (Dezernentin EKiR) und unserem Geschäftsführer Marvin Schmidt bereichert. Franz Werfel, Leiter der Stabstelle Politik und Kommunikation leitete die Runde zielgerichtet von aktuellen Erfolgen über Hürden und Visionen, hinzu nächsten Schritten der Beteiligung von Kindern, Jugendlichen und Familien im jeweiligen Tätigkeitskontext. Kornelius Knettel brachte es in einem seiner Statements auf den Punkt: „Wer eine starke Demokratie will, muss Menschen befähigen, Teil von ihr zu sein.“

Markt der Möglichkeiten und Mitmachtool

Nach der Theorie, bot ein Markt der Möglichkeiten die Gelegenheit, das Gehörte und Gesagte mit Leben und Inhalt zu füllen. Ein praxisorientierter Markt der Möglichkeiten gab Einblicke in gelingende Partizipationsangebote diverser Träger, Institutionen und Fachbereiche. Neben einer Fokussierung auf Vernetzung, war dies zeitgleich eine Vorbereitung auf die Einbettung der Tageserkenntnisse in unser Mitmachtool „Familie sind wir alle“.

Wir bedanken und bei allen Unterstützer*innen und Teilnehmer*innen für einen spannenden Fachtag.

Eine ausführliche Dokumentation stellen wir Ihnen untenstehend zur Verfügung und freuen uns auf Ihre Rückmeldungen.

Familienkommune NRW 2025

Nun stehen die vier Familienkommunen NRW 2025 fest und wir gratulieren herzlich den Gewinnerinnen Vreden, Lennestadt, Nettersheim und Siegen.

Familie. Kommune. Zusammenhalt.

Zum zweiten Mal wurde nun in diesem Jahr ein Preis durch die nordrhein-westfälische Landesregierung an besonders familienfreundliche Kommunen vergeben. Unter dem Motto „Familie. Kommune. Zusammenhalt.“ waren Kommunen aufgerufen, sich mit einem familienpolitischen Gesamt- oder Einzelkonzept für die diesjährige Auszeichnung zu bewerben.

Der unabhängigen Jury aus Vertretungen des Familienministeriums, Wissenschaft, Familienverbänden und der Prognos AG durfte auch Geschäftsführer der Ev. Arbeitsgemeinschaft Familie NRW, Marvin Schmidt, stellvertretend für die Landesarbeitsgemeinschaft der Familienverbände NRW (LAG-Familie NRW) beiwohnen und seine Einschätzungen zu den eingegangenen Bewerbungen abgeben.

Feierliche Preisverleihung

Am Dienstag den 28. Oktober 2025 wurden die Preisträgerinnen durch Familienministerin Paul im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung Rheinblick 741 in Düsseldorf ausgezeichnet. Neben Vertreter*innen der ausgezeichneten Kommunen waren auch landespolitische Entscheidungsträger*innen sowie Kolleg*innen der nordrhein-westfälischen Familienverbände vor Ort. Gerahmt wurde die Auszeichnung durch eine Keynote von Prof. Dr. Susanne von Hehl der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe (EvH Bochum).

Zusammenhalt und Partizipation

Ein besondere Blick galt in diesem Jahr der inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Schwerpunkten Zusammenhalt, Beteiligung und einem ganzheitlichen Familiengedanken. So zeichneten sich die Gewinnerkommunen durchweg durch ihre niederschwelligen und partizipativen Ansätze aus. Wie kann es gelingen, Kinder, Jugendliche, Familienkonstellationen aller Art und Senior*innen gleichermaßen anzusprechen, mitzudenken und im Blick zu haben? Auf diese Frage konnten mitunter spannende und innovative Antworten gefunden werden.

Ein Satz der in diesem Zusammenhang besonders eindrücklich nachwirkte war: „Aus Kindern, die nichts dürfen, werden Erwachsene, die nichts können.“

Informationen sowie eine Videopräsentation der Preisträgerinnen finden Sie unter Landespreis „Familienkommune“ 2025 – FAMILIENPORTAL.NRW

„Familie sind wir alle“ – beim EVAP e.V. Familientag 2025

In diesem Jahr hatten wir erstmalig die Möglichkeit, zu Gast beim Familientag des EVAP e.V. – Evangelischer Verein für Adoption und Pflegekinderhilfe – zu sein. Die Vielfalt, welche Familie mit sich bringt und welche es seitens der eaf-nrw gilt, zu stärken, haben wir mit unserem Mitmach-Tool „Familie sind wir alle“ erfahrbar gemacht.

Im Mittelpunkt standen ehrliche und berührende Gespräche über Adoption, den Familienalltag, Herausforderungen, Werte und Wünsche. Die Teilnehmenden haben eindrucksvoll geschildert, was Familie für sie bedeutet und welche besonderen Stärken sie entwickelt. So berichtete ein Vater, wie er und seine Frau nach sieben Jahren und vielen Hürden Ihre Tochter aus Südafrika adoptieren durften. Eine 17-jährige Jugendliche erzählte, wie die kulturellen Unterschiede in ihrer Familie, die durch die Aufnahme eines Pflegekindes entstanden sind, sie besonders stark gemacht haben.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass Familien mit Adoptionen und Pflegekindern vor einzigartigen Herausforderungen stehen. Eine Mutter wünschte sich spezielle Netzwerke, die Themen wie Rassismus, Herkunft und die Frage nach den leiblichen Eltern aufgreifen und Sicherheit bieten. Auch wurde der Wunsch nach mehr politischem Verständnis und Unterstützung laut.

Was wir daraus lernen

Der Familientag hat gezeigt, wie wichtig Orte des Austauschs und der Begegnung sind. Die Stimmen der Jugendlichen unterstrichen zudem die Forderung nach echter Beteiligung und Mitbestimmung, die über symbolische Entscheidungen hinausgehen.

Wir als eaf-nrw sehen es als unsere Aufgabe, die Erfahrungen und Bedürfnisse dieser Familien in die Politik zu tragen. Wir brauchen Strukturen, die Familien nicht nur Schutz bieten, sondern ihnen auch die Möglichkeit geben, aktiv mitzuwirken und die Familienpolitik mitzugestalten. Nur so kann eine Familienpolitik entstehen, die den vielfältigen Realitäten gerecht wird.

Barrierefreiheit? Fehlanzeige! – Zweiter nordrhein-westfälischer Teilhabebericht

Am 28. August 2025 veröffentlichte das nordrhein-westfälische Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales seinen zweiten Teilhabebericht – zur Lebenssituation von Menschen mit Beeinträchtigungen und zum Stand der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.

Wir als eaf-nrw haben uns intensiv mit diesem Bericht befasst und die Ergebnisse hinsichtlich familiärer Schwerpunkte und Herausforderungen beleuchtet. Wo bestehen nach wie vor große Bedarfe? An welchen Stellen ist eine mögliche Teilhabe weiterhin stark eingeschränkt?

Lesen Sie hier und suchen Sie gerne den Austausch mit uns:

Reminder! Fachtag „Wo Familien mitreden, wächst Demokratie!“

Demokratie lebt von Teilhabe – und Teilhabe beginnt in den Lebenswelten von
Kindern, Jugendlichen und Familien. Wenn Familien ihre Stimme erheben, gehört
werden und mitgestalten, wächst Vertrauen, Engagement und gesellschaftlicher
Zusammenhalt.

Mit unserem Fachtag „Wo Familien mitreden, wächst Demokratie!“, am 26.11.2025 in Düsseldorf, möchten wir
gemeinsam mit Ihnen beleuchten, wie es gelingen kann, Kinder, Jugendliche und
Familien zu stärken und ihnen Räume für Mitbestimmung zu eröffnen. Wir laden Sie
herzlich ein, mit uns ins Gespräch zu kommen, gute Praxisbeispiele kennenzulernen
und neue Perspektiven für die eigene Arbeit zu entwickeln.

Eingeladen sind Fachkräfte aus Jugendhilfe, Schule, Familienberatung,
Familienbildung, sowie Kirche und Institutionen der Kinder-, Jugend-, und
Familienhilfe.

Ein spannendes Programm & tolle Vernetzungsmöglichkeiten

Neben einer Keynote und einem Talk mit Natascha Sagorski (Aktivistin & Autorin) erwartet Sie zudem ein Markt der Möglichkeiten, welcher die Vielfältigkeit sowie die unterschiedlichsten Blickwinkel von Kindern, Jugend und Familien widerspiegelt.

Wir hoffen auf einen spannenden und gewinnbringenden Austausch und freuen uns auf Sie!

Hier geht’s zum Programm und zur Anmeldung:

 

© Marvin Schmidt / Diakonie RWL

F amilie. M acht. D emokratie.

Oft wird über Demokratie gesprochen – aber viel zu selten darüber, wie Familien konkret daran teilhaben können. Welche Strukturen der Partizipation für Kinder, Jugendliche, Senior*innen und Familien bestehen und wo diese Teilhabe von Politik, Gesellschaft und Institutionen gewünscht wird.

Mit Politik im Austausch

Im Rahmen eines parlamentarischen Mittagstisches hatte die eaf-nrw als Teil der LAG-F (Landesarbeitsgemeinschaft der nordrhein-westfälischen Familienverbände NRW) neuerlich die Gelegenheit, das Thema „demokratische Partizipation von Familien“ mit den familienpolitischen Sprecher*innen der demokratischen Parteien auf Landesebene zu diskutieren. So kurz vor der Kommunalwahl war die Initiierung der LAG-F dieses Austauschs, ein passender Zeitpunkt unsere aktuellen Ideen und Vorhaben in der Rahmung „Familie.Macht.Demokratie.“ einzubringen und vorzustellen.

Von Wahlstandfragen, über ein Vorlesebuch bis zum Familiengipfel

Den Auftakt machten im Zuge der Kampagne, unsere an kommunale Wahlstände ausgerichtete Fragekarten. Diese sollen Kinder, Jugendliche und Familien in die Lage versetzen, mit Politik auf kommunaler Ebene an Wahlständen ins Gespräch zu kommen und themenbezogen sprachfähig zu sein.

Unser Vorlesebuch „Mia macht Dampf“ wurde durch das nordrhein-westfälische Ministerium gefördert und zeigt Kindern, wie auch Erwachsenen auf niederschwellige Art und Weise auf, wie Kommunalpolitik funktioniert und wie sich Hindernissen im Alltag aktiv begegnen lässt. Online lässt sich dieses Buch ebenfalls durchblättern.

Vorlesebuch_Mia-macht-Dampf_LAG-F-NRW_2025 – Online-Blättermagazine

Die eaf-nrw, wie auch die LAG-Familie haben zudem weitere Veranstaltungen, Projekte und Vorhaben unter dem Claim „Familie.Macht.Demokratie.“ geplant, welche ihren Höhepunkt im Vorfeld an die Landtagswahl 2027, in Form eines Familiengipfels erreichen sollen.

Demokratie lebt nicht allein von Wahlterminen, sondern davon, dass Familien kontinuierlich Gehör finden.

Familienberatung – mehr als eine Unterstützung im Einzelfall

Evangelische Familienberatungsstellen bieten seit vielen Jahren verlässliche Unterstützungsangebote für Kinder, Jugendliche, Senior*innen und Familien. Nicht nur der Mangel an kostenfreien, niederschwelligen Alternativen begründet den stets hohen Andrang auf Beratungsplätze.

Wir haben nachgefragt

In Kooperation mit den Evangelischen Familienberatungsstellen, welche durch das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. landesweit vertreten werden, haben wir unser Mitmach-Tool „Familie sind wir alle“ genutzt und Ratsuchende dazu befragt, welchen Stellenwert sie Familienberatungsstellen beimessen, welche Effekte die Beratung auf sie hatte und welche Punkte dafür ausschlaggebend waren die Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Familienberatung mehr als eine Hilfe im Einzelfall?

Vertrauen, Empathie, Wertschätzung, Zeit und Ruhe sind häufig genannte Begriffe, welche Ratsuchende in unserer Befragung benennen, wenn sie über Familienberatung sprechen. Ratsuchende sehen in der Familienberatung einen Ort, an dem Sie ihre – in der Regel, großen, unüberwindbaren, beängstigenden und lähmenden – Herausforderungen zur Sprache bringen und bearbeiten können. Sie schätzen vor allem die Zugänglichkeit welche weder an ärztliche Befunde noch an familiäre Bedingungen geknüpft sind.

Über den persönlichen Effekt hinaus benennen jedoch auch einige Ratsuchende den gesellschaftlichen Mehrwert von Familienberatungsstellen. (Warum ist es wichtig, dass es Familienberatungsstellen gibt?) „weil unser Umgang in der Gesellschaft rauer wird.“, „Essentiell für das gesellschaftliche Miteinander“, „Um Menschen zu helfen, die es allein nicht schaffen oder alleine sind.“

Wie geht es weiter?

Am 01. September 2025 startet die landesweite „Woche der Erziehungshilfen“ mit einer Auftaktveranstaltung in Köln. Auch die eaf-nrw wird vor Ort sein und gemeinsam mit Vertreter*innen der ev. Familienberatungsstellen die Ergebnisse der Befragung präsentieren. Mit dabei sein wird erneut unser Mitmach-Tool „Familie sind wir alle“ (Familie sind wir alle – Evangelische Arbeitsgemeinschaft Familie NRW). Wir freuen uns auf den Austausch mit Politik, Kirche und Fachpublikum und vor allem darauf, den Ratsuchenden somit die Möglichkeit zu geben, ihren Aussagen Gehör zu verschaffen.

 

Illustration: Menschen demonstrieren mit Megafon.

Jugendliche wollen mitgestalten – Partizipation als Aufgabe von Kirche und Familienpolitik

Die Shell-Jugendstudie 2024 zeigt deutlich: Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland wollen sich aktiv in Kirche, Politik und Gesellschaft einbringen. Ihr Interesse an Mitgestaltung ist groß, gleichzeitig erleben sie jedoch vielfach Hürden, die sie daran hindern, ihre Stimme wirksam einzubringen.

Als Evangelische Arbeitsgemeinschaft Familie NRW (eaf-nrw) betrachten wir es als zentrale Aufgabe, Partizipation von jungen Menschen nicht nur zu fordern, sondern auch konkret zu ermöglichen. Unser Impulspapier „Jugendliche wollen mitgestalten – Partizipation als Aufgabe von Kirche und Familienpolitik“ greift die Ergebnisse der Studie auf, benennt die Herausforderungen und formuliert praxisnahe Empfehlungen für Politik, Kirche und Zivilgesellschaft. Dabei geht es um die Schaffung verlässlicher Räume für Beteiligung, die Förderung von Beteiligungskompetenzen sowie die Verankerung von Partizipation in kirchlichen, familiären und kommunalen Strukturen.

„Familie sind wir alle“

Mit unserer Initiative „Familie sind wir alle“ und dem interaktiven Mitmach-Tool stellen wir bereits konkrete Angebote bereit, um Beteiligung sichtbar und wirksam zu machen. Sie eröffnen jungen Menschen und Familien die Möglichkeit, ihre Sichtweisen einzubringen und Rückmeldungen direkt in Entwicklungsprozesse einfließen zu lassen.

Wir laden alle Verantwortlichen in Politik, Kirche und freien Trägern ein, diesen Dialog gemeinsam mit uns zu führen und Wege zu entwickeln, wie die Potenziale junger Menschen stärker genutzt und ihre Perspektiven ernst genommen werden können.

Was tut Kommunalpolitik vor Ort für Kinder, Jugendliche und Familien?

Die Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen stehen in kürze vor der Tür und die Innenstädte laden an den Wochenenden dazu ein, mit der Kommunalpolitik ins Gespräch zu kommen. Doch worüber eigentlich? Viele Themen treiben Kinder, Jugendliche und vor allem Familie derzeit um. Themen wie Migration, Krieg, Wohnen, Vereinbarkeit, Energie, begegnen uns täglich in den Schlagzeilen und stellen Familien gedanklich vor Herausforderungen. Mit welchen Themen kann ich aber die Politik in meinem Heimatort konfrontieren und bei welchen bin ich hier nicht an der richtigen Adresse?

Die Landesarbeitsgemeinschaft Familie NRW – LAG-F, hat sich im Rahmen ihres aktuellen Schwerpunktthemas: „Familie.Macht.Demokratie.“, mit dieser Frage auseinandergesetzt und Fragekarten zusammengestellt, mit denen Sie die Kommunalpolitik vor Ort auf die Probe stellen und ins Gespräch kommen können.

Sprechen oder schreiben Sie uns gerne an und wir senden Ihnen die Materialien zu.

Schluss mit unsanierten Schulen, erschöpften Erzieher*innen und verkürzten KiTa-Öffnungszeiten!

eaf-Bund fordert gemeinsam mit Ratschlag Kinderarmut massive Stärkung der sozialen Infrastruktur für Kinder und Familien

Der Ratschlag Kinderarmut – ein Zusammenschluss von 52 Akteur*innen aus Zivilgesellschaft und Wissenschaft, darunter auch die eaf – fordert in einer gemeinsamen Erklärung die Bundesregierung auf, jetzt entschlossen in die soziale Infrastruktur zu investieren. Besonders Kinder und Familien in Armut sind auf funktionierende Bildungs-, Betreuungs- und Unter­stützungsangebote angewiesen. Investitionen in Kinder und Jugendliche sind als Investitionen in Wohlstand und Demokratie zu begreifen.

 

„Der Koalitionsvertrag verspricht massive Investitionen in Kitas und Schulen“, betont eaf-Bundesgeschäftsführerin Nicole Trieloff. „Dieses Versprechen muss die Bundesregierung schnellstmöglich einlösen! Jeder Tag, an dem Eltern sich nicht auf eine familienunterstützende Infrastruktur verlassen können und stattdessen mit Notlösungen jonglieren, ist ein Tag zu viel. Jeder Tag, an dem Kinder und Jugendliche von Fachkräften betreut werden, die längst am Limit arbeiten – und oft darüber hinaus – macht deutlich, wie dringend sich etwas ändern muss.“

 

Immer noch entscheidet die soziale Herkunft in Deutschland maßgeblich über Teilhabe­möglichkeiten und Zukunftschancen. Eine funktionierende soziale Infrastruktur kann Ungleichheiten kompensieren und die Weichen für ein selbstbestimmtes Leben ohne Armut stellen. Niedrigschwellige Unterstützungs-, Beratungs- und Freizeitangebote, Förder- und Sprachunterricht, gute Kinderbetreuung, Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr oder die Nähe zu einem Sportverein – all diese Möglichkeiten können Biografien prägen.

 

„Wesentliche Teile des Sondervermögens Infrastruktur müssen in die soziale Infrastruktur, in hochwertige Betreuungs- und Bildungsangebote, Jugendsozialarbeit und Familienbildung fließen“, fasst Trieloff zusammen. „Jede alleingelassene Familie schwächt das Vertrauen in die Demokratie. Jede ausgefallene Unterrichtsstunde ist ein Armutszeugnis. Es führt kein Weg daran vorbei, dass wir die Bildungs- und Betreuungskrise schleunigst in den Griff bekommen müssen. Davon profitiert unsere ganze Gesellschaft.“

„Karriere-Killer Familie!?“ – eaf-nrw beim Panel-Talk

Am Donnerstag, den 05.06.2025, nahm die eaf-nrw an einer inspirierenden Veranstaltung des Family Co-Working-Space – kiwifalter teil – einem großartigen Family-Hub, der Co-Working und Kinderbetreuung unter einem Dach vereint. Kiwifalter – Familien, Coworking in Düsseldorf

Ein innovatives Konzept, das eindrucksvoll zeigt, wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf wirklich gelebt werden kann. Herzlichen Dank an die Gründerinnen Stephanie Maus & Katja Kaltenbach für ihr Engagement!

Ist Familie ein Karriere-Killer?

Unter dem Titel „𝐊𝐚𝐫𝐫𝐢𝐞𝐫𝐞-K𝐢𝐥𝐥𝐞𝐫 𝐅𝐚𝐦𝐢𝐥𝐢𝐞!?“ diskutierten wir in einem offenen Panel die strukturellen Herausforderungen, mit denen Eltern – insbesondere Mütter – im Berufsleben konfrontiert sind. Es war ein starkes Line-up an Stimmen aus Politik, Praxis und Gesellschaft.

Ein besonders wichtiger Punkt kam von Nicole Riggers (IKB) & Fabian Zachel (SPD-OB-Kandidat):

Vereinbarkeit gelingt nur, wenn alle mitmachen – auch Männer müssen aktiver Teil der Lösung werden!

Gleichzeitig sollten auch Unternehmen stärker mitgedacht werden. Solche innovativen Family-Hubs können ein Schlüssel sein, damit Arbeitgeber*innen ihren Beschäftigten z. B. nach der Elternzeit den Wiedereinstieg erleichtern – mit einem guten Gefühl und ohne die Wahl zwischen Kind und Karriere treffen zu müssen.

Was braucht es nun?

Gesellschaftlich, politisch und wirtschaftlich benötigt es die Anerkennung der Pluralität von Familien. Vereinbarkeitsherausforderungen treffen nicht nur Eltern mit Kindern. Auch häusliche Pflege, ehrenamtliches Engagement, eigene Gesundheit und gesellschaftliche Verantwortung muss mitgedacht werden. Zudem bedarf es innovativer Lösungsansätze für Berufszweige, denen keine mobile Tätigkeit in Aussicht gestellt werden kann. Hier rücken flexible Arbeitszeitmodelle o.ä. in den Fokus.

Unser Wunsch: 𝐌𝐞𝐡𝐫 𝐅ö𝐫𝐝𝐞𝐫𝐮𝐧𝐠 𝐟ü𝐫 𝐬𝐨𝐥𝐜𝐡𝐞 𝐳𝐮𝐤𝐮𝐧𝐟𝐭𝐬𝐰𝐞𝐢𝐬𝐞𝐧𝐝𝐞𝐧 𝐏𝐫𝐨𝐣𝐞𝐤𝐭𝐞, welche 𝐞𝐜𝐡𝐭𝐞 𝐋ö𝐬𝐮𝐧𝐠𝐞𝐧 𝐬𝐜𝐡𝐚𝐟𝐟𝐞𝐧, 𝐬𝐨𝐝𝐚𝐬𝐬 𝐈𝐧𝐧𝐨𝐯𝐚𝐭𝐢𝐨𝐧 𝐧𝐢𝐜𝐡𝐭 𝐧𝐮𝐫 𝐩𝐫𝐢𝐯𝐢𝐥𝐞𝐠𝐢𝐞𝐫𝐭𝐞𝐫𝐞𝐧 𝐅𝐚𝐦𝐢𝐥𝐢𝐞𝐧 𝐨𝐟𝐟𝐞𝐧𝐬𝐭𝐞𝐡𝐞𝐧.

 

Bundes-eaf begrüßt Zehnten Familienbericht – klare Forderungen für gerechtere Familienpolitik

Im Rahmen einer Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft der Familienverbände (AGF) zur Vorstellung des Zehnten Familienberichtes durch Prof. Dr. Michaela Kreyenfeld (Vorsitzende der Kommision) und Prof. Dr. Miriam Beblo (stellv. Vorsitzende) bezogen die bundesweit tätigen Familienverbände Stellung.

Stellungnahme der eaf-Bund

Die eaf-Bund unterstützt viele Impulse des Zehnten Familienberichts der Bundesregierung, insbesondere den ganzheitlichen Blick auf Familienverläufe. Zahlreiche Empfehlungen der Kommission decken sich mit langjährigen Forderungen der eaf – wie etwa der Neubestimmung des kindlichen Existenzminimums, der finanziellen Entlastung Alleinerziehender oder der besseren Berücksichtigung von Trennungskindern im Grundsicherungsrecht.

eaf bleibt kritisch

Kritisch sieht die eaf jedoch bestimmte Begriffe wie „vermeintlich alleinerziehend“ oder „geteilte Betreuung“, da diese die Realität vieler Alleinerziehender verzerren. Die Mehrheit trägt die Hauptbetreuung ihrer Kinder allein – das müsse sichtbar bleiben. Auch fordert die eaf klar definierte Betreuungsmodelle, um empirische Erhebung und rechtliche Bewertung zu ermöglichen.

Fehlende geschlechtsspezifische Differenzierung beim Thema ökonomische Eigenständigkeit sowie der unterbelichtete Unterhaltsaspekt sind weitere Kritikpunkte. Die eaf fordert, die finanzielle Verantwortung des zweiten Elternteils stärker zu betonen.

Nun ist die Politik gefragt

Positiv bewertet die eaf die Vorschläge zur gleicheren Verteilung unbezahlter Sorgearbeit und begrüßt das Ziel eines symmetrischen Elterngeldmodells. Sie schlägt jedoch ein erweitertes Modell mit 6+6+6 Monaten vor und fordert zusätzlich eine gesetzliche Familienstartzeit.

Die Stärkung der Kinderrechte und -beteiligung wird befürwortet – jedoch mit dem Appell, Kinder nicht mit Entscheidungsverantwortung zu überfordern. Ebenso unterstützt die eaf bessere Schutzmechanismen vor häuslicher Gewalt und fordert verpflichtende Fortbildungen für Fachkräfte im Familienrecht.

Vereinbarkeit als Chance – Familien- und Wirtschaftspolitik im Dialog

Familie trifft Wirtschaft

Am 14. Mai, nahm die Evangelische Arbeitsgemeinschaft Familie NRW – eaf-nrw gemeinsam mit der LAG-Familie (LAG Familie NRW – Landesarbeitsgemeinschaft Familie Nordrhein-Westfalen (LAG-F NRW)) an einer spannenden Veranstaltung der BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN  teil. Im Zentrum stand ein zukunftsweisender Dialog zur Vereinbarkeit von Familie, Privatleben und Beruf.

Organisiert von Eileen Woestmann (familienpolitische Sprecherin) und Laura Postma  (zuständig für Gleichstellung im Erwerbsleben), kamen Akteur*innen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen – u. a. von Ford Deutschland, AXA (Wera Sanders), Konecranes (Daniela Komolafe) Family Hub kiwifalter (Stephanie Maus, Kiwifalter – Familien, Coworking in Düsseldorf) WorkingMoms und Vaterwelten.

Innovative Lösungen sind gefragt

Vorgestellt wurden in erster Linie, neue Wege und inspirierende Möglichkeiten Vereinbarkeiten aller Art mit der jeweiligen Erwerbssituation zu vereinen. Neben Job-Sharing, Arbeitszeitkonten, Co-Working-Spaces (inklusive Kinderbetreuung und mittlerweile weitestgehend etablierten Lösungen, wie mobilem Arbeiten zeigte auch die Politik Mittel und Wege auf, gelingende Rahmenbedingungen für Familien zu schaffen.

Mit dabei auch NRW-Familienministerin Josephine Paul und NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur die beide betonten:

Es braucht politische Gestaltung und wirtschaftliche Verantwortung, um echte Synergien für eine gelingende Vereinbarkeit zu schaffen.

Ein prägnantes Zitat von Josephine Paul bleibt besonders im Ohr:

„𝐕𝐞𝐫𝐞𝐢𝐧𝐛𝐚𝐫𝐤𝐞𝐢𝐭 𝐢𝐬𝐭 𝐀𝐮𝐟𝐠𝐚𝐛𝐞 𝐚𝐤𝐭𝐢𝐯𝐞𝐫 & 𝐩𝐨𝐥𝐢𝐭𝐢𝐬𝐜𝐡𝐞𝐫 𝐆𝐞𝐬𝐭𝐚𝐥𝐭𝐮𝐧𝐠.“

Herzlichen Dank für den inspirierenden Austausch und das starke Signal für mehr Partnerschaftlichkeit, Chancengerechtigkeit und Familienfreundlichkeit in der Arbeitswelt!

Collage Eindrücke vom eaf-Stand am Kirchentag

„Mutig, Stark und Beherzt“ – geht der Kirchentag zu Ende

Der Deutsche Evangelische Kirchentag 2025 geht für uns, die Evangelische Arbeitsgemeinschaft Familie NRW – eaf-nrw, mit vielen starken Eindrücken zu Ende.

Unter dem Motto „Mutig, Stark und Beherzt“ waren wir gemeinsam mit der eaf-Bund und weiteren Landesverbänden im Haus der Jugend vertreten – im Zentrum Kinder und Familien.

„Familie sind wir alle“

Unser aller Ziel war es, Demokratie im Kontext von Familie für alle Teilnehmer*innen und Besucher*innen erlebbar zu machen. Ist eine Familie auch eine Demokratie? Werden demokratische Prozesse und Beteiligung innerhalb von Familien erlernt, gefestigt oder gelebt?

Mit unserem interaktiven Format „Familie sind wir alle“ und dem Familientisch konnten wir spannende Gespräche führen, Statements sammeln und Menschen zum Nachdenken bringen.

Tolle Gespräche und besondere Besuche

Neben tollen Gesprächen mit Kindern, Jugendlichen, Eltern, Großeltern, etc. haben wir uns zudem sehr über den Besuch von Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay gefreut, welcher der eaf-Bund im Rahmen eines Interviews rund um das Thema Familie und Demokratie Frage und Antwort stand.

Christian Heine-Göttelmann, theologischer Vorstand des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. nahm ebenfalls am Familientisch Platz und teilte dort über die interaktiv gestellten Fragen seine Gedanken zu Beteiligung und Demokratie am häuslichen Esstisch.

Besonders in Erinnerung blieb uns ein Satz von Dr. Steffen Merle, Oberkirchenrat der Evangelischen Kirche in Deutschland: „Der Tisch ist für mich das Plenum der Demokratie in Familien.“

Wir gehen erfüllt, gestärkt – und schauen voller Vorfreude auf den Kirchentag 2027 in Düsseldorf.

„Familie sind wir alle“ – eaf-nrw auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 2025

„Familie sind wir alle“ – Mit dieser Botschaft nimmt die Evangelische Arbeitsgemeinschaft Familie NRW (eaf-nrw) in der Woche vom 30. April bis zum 04. Mai am Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hannover teil.

Von Superkräften, Chaos und Zusammenhalt

Begleiten wird uns der „Der Tisch für alle“. Mit einem Platz für alle, die mit uns zu den Themen Demokratie, Vereinbarkeit, Armut und vielem mehr was uns als Familien bewegt, in den Austausch kommen möchten.

Es erwarten euch ein interaktiver Begegnungsort mitten im Trubel, mit Raum für echte Gespräche, neue Perspektiven, die Möglichkeit eure Themen sichtbar zu machen, sowie „Superkräfte, Chaos und Zusammenhalt“ – alles, was Familie ausmacht.

Für euch vor Ort

Finden könnt ihr uns vor Ort im Haus der Jugend, welches als Teil des Zentrums Kinder und Familien seinen Fokus auf eben diese Zielgruppen legt und passgenaue Angebote, Veranstaltungen und Verpflegung vorhält.

Anders als noch vor rund einem halben Jahr geplant und im Kirchentagsprogramm hinterlegt, wird die eaf-nrw nicht mit der Wanderausstellung FamilienBande vor Ort sein, sondern den Auftakt des Mitmach-Tools „Familie sind wir alle“ begehen.

Kommt vorbei, setzt euch dazu und lasst uns gemeinsam Zukunft gestalten!

Kirchentag 2025 – Familie sind wir alle (FamilienBande)

Logo eaf-Bund

Pressemitteilung der eaf-Bund zum Koalitionsvertrag 2025

Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft Familie hat veröffentlichte heute am 14.04.2025 eine Pressemitteilung zum Koalitionsvertrag 2025. Laut eaf-Bund lässt dieser viel Raum für Konkretisierungen.

Den genauen Wortlaut entnehmen Sie bitte der anhängenden Pressemitteilung.

Kinder, Jugend und Familie – Wir haben einen Blick in den Koalitionsvertrag geworfen

Die neuen Koalitionspartner*innen, bestehend aus CDU, CSU und SPD haben ihren Koalitionsvertrag vorgestellt – und wir als eaf-nrw haben mit besonderem Blick auf die Belange von Familien, Kindern und Jugendlichen hineingeschaut.

Familien sind wieder Teil der politischen Debatte

Positiv hervorzuheben ist, dass zahlreiche Maßnahmen aufgenommen wurden, die Familien im Alltag konkret entlasten sollen. Ein jährliches Familienbudget für Alltagshelfer soll vor allem Haushalte mit kleineren und mittleren Einkommen stärken – ein Schritt in Richtung mehr Zeit und weniger Stress für Familien. Auch die geplante Förderung haushaltsnaher Dienstleistungen kann zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf beitragen.

Ein wichtiges Signal im Kampf gegen Kinderarmut ist die Erhöhung des Teilhabebetrags im Bildungs- und Teilhabepaket sowie die Prüfung einer digitalen Kinderkarte, die den Zugang zu Bildungs- und Freizeitangeboten erleichtern könnte. Doch digitale Lösungen erfordern auch eine gute Infrastruktur – nicht alle Familien sind hier ausreichend ausgestattet.

Konkrete Umsetzungen bleiben abzuwarten

In der Jugendpolitik sehen wir Fortschritte durch die geplante Einführung eines Kinder- und Jugendgipfels. Junge Menschen sollen damit dauerhaft eine Stimme auf Bundesebene erhalten. Auch wenn diese Beteiligungsform noch nicht gesetzlich verankert ist, stellt sie einen wichtigen Meilenstein dar – für mehr demokratische Teilhabe und Sichtbarkeit junger Perspektiven.

Weitere wichtige Punkte: Investitionen in Bildung, die Stärkung von Jugendberufsagenturen sowie eine bundesweite Strategie für mentale Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen. Letztere ist aus unserer Sicht dringend notwendig, um Prävention, Beratung und psychische Gesundheit stärker in den Fokus zu rücken.

Wir bleiben kritisch

Bei aller Zustimmung: Kritisch sehen wir die Einführung einer „neuen Grundsicherung“, die mit strengeren Mitwirkungspflichten und möglichen Leistungskürzungen verbunden ist – besonders für junge Menschen in prekären Lebenslagen kann dies zusätzlichen Druck erzeugen.

 

Unser Fazit: Der Koalitionsvertrag 2025 enthält viele vielversprechende Ansätze. Jetzt gilt es, die angekündigten Maßnahmen zügig und sozial gerecht umzusetzen – mit dem Ziel, Familien zu stärken und Kindern sowie Jugendlichen echte Zukunftschancen zu eröffnen.

 

Einen detaillierten Einblick entnehmen Sie gerne unserer anhängenden PDF.

Klausurtagung der LAG-Familie NRW

Vom 08. bis zum 09. April tagte die Landesarbeitsgemeinschaft Familie NRW neuerlich auf dem Heiligen Berg in Wuppertal und setzte sich intensiv mit dem Thema Demokratie auseinander.

Unter dem Motto: „Familie.Macht.Demokratie.“ erarbeitete die LAG-F mögliche Strategien, Kinder, Jugendliche und Familien in politische Prozesse einzubeziehen, ihnen Wege der Beteiligung aufzuzeigen, Räume der Begegnung zu schaffen sowie Selbstwirksamkeit für sie spür- und erlebbar zu machen.

Auch die eaf-nrw war selbstverständlich, als Teil der LAG-F mit von der Partie.

„Familie.Macht.Demokratie.“ wird nun in den kommenden 2 Jahren die Ausrichtung der inhaltlichen Arbeit der LAG-F darstellen und mit Veranstaltungen, Kampagnen, Beiträgen und Handreichungen dafür Sorge tragen, Familien nicht aus dem Fokus geraten zu lassen und ihnen eine Stimme zu verleihen.

Wege zu besserer Vereinbarkeit – Besuch beim „Kiwifalter“

Am 28.03.2025 hatte ich die Gelegenheit, den „kiwifalter“ in Düsseldorf zu besuchen – einen innovativen Hub, der Vereinbarkeit neu denkt und aktiv gestaltet. Vor Ort traf ich eine der beiden Gründerinnen, Stephanie Maus, und konnte tiefere Einblicke in das Konzept und die Vision dieses besonderen Ortes gewinnen.

Ein Ort für Familien, Bildung und Gemeinschaft

Der „kiwifalter“ ist weit mehr als ein Co-Working-Space. Er schafft Räume, in denen Arbeit und Familie nicht als Gegensätze, sondern als ergänzende Elemente eines modernen Lebensmodells verstanden werden. Family-Co-Working – also das Arbeiten mit gleichzeitiger Kinderbetreuung – ist ein zentraler Bestandteil des Angebots. Doch der Hub bietet noch viel mehr:

  • Workshops für Jung und Alt
  • Tagungsräume und Fachaustausche zu Themen rund um Familie, Bildung und Wirtschaft
  • Ferienprogramme für Kinder
  • Kindergeburtstage und kreative Erlebnisse
  • Themenreihen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Ganzheitliches Denken für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Im Gespräch mit Stephanie Maus wurde deutlich, dass es ihr nicht nur darum geht, praktische Lösungen für den Alltag von Familien zu bieten. Vielmehr verfolgt sie mit dem „kiwifalter“ einen ganzheitlichen Ansatz, der Familie, Bildung, Gesellschaft und Wirtschaft miteinander verbindet. Denn Vereinbarkeit ist nicht nur eine persönliche Herausforderung einzelner Familien, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe, die neue Strukturen und Denkweisen erfordert.

Impulse für die Arbeit der eaf-nrw

Der Besuch im „kiwifalter“ hat gezeigt, wie wichtig es ist, innovative Konzepte zu fördern, die Familien unterstützen und neue Wege der Zusammenarbeit ermöglichen. Als Evangelische Arbeitsgemeinschaft Familie NRW setzen wir uns für familienfreundliche Rahmenbedingungen ein – der „kiwifalter“ ist ein inspirierendes Beispiel dafür, wie Vereinbarkeit in der Praxis gelingen kann.

Wir freuen uns auf den weiteren Austausch und darauf, solche zukunftsweisenden Ansätze auch in unsere eigene Arbeit einzubinden!

Kiwifalter – Familien, Coworking in Düsseldorf

LAG-F im familienpolitischen Dialog

Am 27.03.2025, nahm die Evangelische Arbeitsgemeinschaft Familie NRW – eaf-nrw, als Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft Familie NRW (LAG-F NRW) an einem Dialog mit dem „Arbeitskreis Kinder, Jugend und Familie“ der SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag teil. Anlass war die Stellungnahme der LAG-F NRW zu den geplanten Kürzungen in der nordrhein-westfälischen Familienförderung im Haushaltsentwurf 2025.

Familienförderung unter Druck

Die LAG-F NRW hatte bereits im vergangenen Jahr mit großer Besorgnis auf die drohenden Einsparungen in essenziellen Bereichen wie Familienbildung, Familienberatung, Familienerholung, Familienpflege und Familienhilfe hingewiesen. Insgesamt stehen Kürzungen von knapp 10 Millionen Euro im Raum, die insbesondere Familien in schwierigen Lebenssituationen hart treffen würden. Die Stellungnahme betonte, dass eine starke Familienförderung keine freiwillige Leistung, sondern ein Grundpfeiler für den sozialen Zusammenhalt in Nordrhein-Westfalen sei.

Im Gespräch mit den Abgeordneten der SPD-Fraktion (MdL Dennis Maelzer, MdL Christin Siebel, MdL Sandy Meinhardt) machte die LAG-F NRW erneut deutlich, welche weitreichenden Folgen die Kürzungen hätten und faktisch haben. Besonders betroffen wären präventive Angebote, die langfristig dazu beitragen, soziale Probleme zu vermeiden. Die Vertreter*innen der SPD-Fraktion signalisierten Verständnis für die Sorgen der Familienverbände und betonten die Notwendigkeit, familienpolitische Strukturen nachhaltig zu sichern.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf als zentrales Thema

Neben den Haushaltskürzungen standen weitere familienpolitische Themen im Fokus des Austauschs. Insbesondere die unterschiedlichen Facetten der Vereinbarkeit von Familie und Beruf wurden intensiv diskutiert. Die LAG-F NRW machte deutlich, dass eine bessere Vereinbarkeit nicht nur eine Frage von Kita-Plätzen und Arbeitszeitmodellen ist, sondern umfassendere Konzepte benötigt, die auch Aspekte wie Pflege von Angehörigen, flexible Unterstützungsangebote und eine familienfreundliche Arbeitswelt berücksichtigen.

Vereinbarkeit als wirtschaftspolitischer, demografischer und demokratischer Faktor

Ein zentrales Argument im Gespräch war, dass eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht nur Familien entlastet, sondern auch wirtschaftspolitische Auswirkungen hat. Eine unzureichende Unterstützung für Familien führt dazu, dass Eltern – insbesondere Mütter – ihre Arbeitszeit reduzieren oder ganz aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Dies verstärkt den Fachkräftemangel und hemmt die wirtschaftliche Entwicklung. Investitionen in eine familienfreundliche Infrastruktur zahlen sich daher nicht nur gesellschaftlich, sondern auch ökonomisch aus.

Der kommende Familienbericht der Landesregierung

Ein weiteres zentrales Thema war der derzeit in Erstellung befindliche Familienbericht der Landesregierung. Die LAG-F NRW betonte, dass dieser Bericht nicht nur eine Bestandsaufnahme sein dürfe, sondern konkrete Handlungsbedarfe aufzeigen müsse. Dabei sei es entscheidend, dass die Perspektiven von Familien selbst stärker berücksichtigt werden und die Erkenntnisse des Berichts in eine langfristige Strategie zur Stärkung der Familienförderung einfließen. Zudem wäre es dringend erforderlich, zukünftige Familienberichte um Punkte der Pflege und weitergehende Punkte zu erweitern, welche einer Vereinbarkeit mit Beruf über das Thema Kinder hinaus, massiv beeinflussen.

Die evangelische Arbeitsgemeinschaft Familie NRW wird den weiteren politischen Prozess aufmerksam begleiten und sich weiterhin mit Nachdruck für eine verlässliche und bedarfsgerechte Familienpolitik in Nordrhein-Westfalen einsetzen.

 

Weitere Informationen zur Stellungnahme der LAG-F NRW finden Sie hier

Logo eaf-Bund

Zu wenig Familienpolitik im Sondierungspapier!

Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft Familie hat auf Bundesebene mit einer Pressemitteilung auf das kürzlich veröffentlichte Sondierungspapier von CDU, CSU und SPD reagiert. Zwar wird als positiv erachtet, dass die angedeutete Absichtserklärung, welche sich auf bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Förderung von Partnerschaftlichkeit sowie der Ausbau von Kitas und Ganztagsschulen teil dieses Papieres ist. Jedoch fehlen wichtige Punkte, welche letztendlich die Familie als Rückgrat unserer Gesellschaft anerkennen und deren Belange in den Fokus nehmen.

Prof. Dr. Martin Bujard, Präsident der eaf auf Bundesebene mahnt: „Es ist höchste Zeit, Familienpolitik stärker ins Zentrum politischen Handelns zu rücken!“

Gemeinschaftliches Mittagessen in evangelischer Kirche

Besuch der Vesperkirche Gütersloh

Vom 2. bis 9. Februar 2025 öffnete die Vesperkirche in Gütersloh erneut ihre Türen und bot eine Woche lang Begegnung, Unterstützung und kulturelle Highlights für alle Besucher*innen. In diesem Jahr wurde erstmals ein Familientag am Samstag, den 8. Februar, ins Programm aufgenommen, um gezielt Familien anzusprechen und ein gemeinschaftliches Miteinander zu fördern.

Das vielseitige Angebot der Vesperkirche umfasste zahlreiche Programmpunkte: Ein Kinoerlebnis für Groß und Klein, ein Konzert der Musikschule sowie einen kostenfreien Friseurbesuch am Nachmittag. Selbstverständlich wurde auch in diesem Jahr für das leibliche Wohl gesorgt – mit Mahlzeiten am Morgen, Mittag und Abend.

Besuch erhielt die Vesperkirche in diesem Jahr unter anderem von der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft Familie NRW (eaf-nrw), vertreten durch ihren Geschäftsführer Marvin Schmidt, sowie von Elisabeth Selter-Chow, Referentin für Sozialraum- und Quartiersarbeit der Diakonie RWL. Auch sie unterstrichen die Bedeutung der Vesperkirche als sozialen Begegnungsort und ihre Rolle in der Stärkung des gesellschaftlichen Miteinanders sowie eines Austausch von unterschiedlichen Generationen.

Mit einem gelungenen Programm und vielen engagierten Helfer*innen hat die Vesperkirche 2025 erneut bewiesen, wie wertvoll dieser Ort als Vereinigung von offener Kirche und Gemeinde, gepaart mit diversen Akteur*innen aus Trägern der freien Wohlfahrt, Ehrenamtlichen, und weiteren Partner*innen für die Gemeinschaft und den intergenerativen Austausch sein kann.

Landesarbeitsgemeinschaft Familie NRW – Wahlprogramme 2025 – Was steckt für Familien drin?

Die Landesarbeitsgemeinschaft Familie NRW  – LAG-F NRW, hat sich im Vorfeld an die anstehende Bundestagswahl 2025 intensiv mit den Wahlprogrammen der Parteien auseinandergesetzt und diese unter dem Motto: „Was steckt für Familien drin?“, hinsichtlich der Inhalte und Lösungsansätze geprüft. Hier standen folgende Themen im Fokus: Elterngeld, Familienstartzeit, Mutterschutz, Kindergeld und Kinderfreibetrag, Pflege und Kindergrundsicherung. Informieren Sie sich unter: Wahlprogramme zur Bundestagswahl: Was steckt für Familien drin? – Landesarbeitsgemeinschaft Familie Nordrhein-Westfalen (LAG-F NRW) oder folgen Sie der LAG-F auf Instagram @lag_familie_nrw.

Literaturhinweis

Das Aufwachsen in einer alternden Gesellschaft ist im familiären Kontext eine große Herausforderung, allen voran für Kinder und Jugendliche. Am 16.01.2025 erschien das gemeinsame Buch von Aladin El Mafaalani, Sebastian Kurtenbach und Klaus Peter Strohmeier, mit dem Titel „Kinder – Minderheit ohne Schutz – Aufwachsen in der alternden Gesellschaft“. Dieses Werk setzt sich inhaltlich, als auch lösungsorientiert mit den Herausforderungen des demografischen Wandels in unserem Land auseinander. Wir finden Lesenswert!

Gedanken zur Jahreslosung 2026

Gott spricht: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5)

Wow! Dies war der erste Gedanke, welcher mir beim Blick auf die diesjährige Losung 2026 in den Kopf schoss.

„Siehe, ich mache alles neu!“, was für einige bedrohlich klingen mag, wäre für andere ein dringendes Erfordernis und längst überfällig. In einer Welt, in der in den ersten Tagen des neuen Jahres weltpolitisch alles über den Haufen geworfen worden zu scheint und man das Gefühl bekommen könnte, Regeln und Normen die noch vor kurzem galten, sind bereits seit langem nicht mehr valide, besteht zeitgleich der Wunsch danach, anderes doch einmal im Grundsatz zu ändern (zu verbessern?)

In der Offenbarung 21,5 schrieb der Apostel Johannes, während seiner Verbannung auf die Insel Patmos, von Gottes Offenbarung an ihn, mit einer Vision vom Endes der Welt. Oder von einem Ende der Welt, wie wir sie kennen?

Für mich liegt ein wichtiger Akzent dieser Botschaft und Losung, im Wort „neu“. Gottes Worte beschreiben keine Reparatur, Rückkehr zu Vergangenem oder Nostalgie. Sie beschreiben etwas Neues, etwas bisher nicht Dagewesenes, eventuell sogar noch nicht Gedachtes oder Vorstellbares.

Ich möchte diese Jahreslosung mit Blick auf Familie positiv verstehen und deuten.

Viele Familien erleben aktuell hohe Belastungen, vor allem mentale Belastungen, brüchige Sicherheiten, das Gefühl den gesellschaftlichen Erwartungen kaum noch gerecht zu werden und den eigenen Ansprüchen ohnehin nicht. „…ich mache alles neu!“ kann in diesem Kontext als entlastende Botschaft gelesen werden. Nicht alles liegt in eurer Hand. Ihr müsst nicht aus eigener Kraft ein System stabil halten.

Wechselt man die Perspektive, kann sich ein ermutigender Gedanke bahnbrechen.

Familie muss nicht immer „funktionieren“ auch nicht wie „früher“. Nähe, Sorge und Verantwortung dürfen neu gedacht werden – generationsübergreifend, vielfältig, solidarisch. Auch Brüche (Trennung, Krankheit, Migration, Armut) sind kein Ende von Familie sondern oft der Ort, an dem Neues entsteht.

Für mich soll die Losung 2026 nicht als blinder Optimismus verstanden werden. Sie verschweigt nicht die Fragilität unserer Gesellschaft, unserer demokratischen Strukturen, die Vereinzelung vieler Menschen und die Überforderung von Familien. Sie setzt meiner Meinung nach jedoch einen Kontrapunkt gegen Zynismus und Rückzug.

Gott sagt nicht: Ihr macht alles neu.

Gott sagt: „Ich mache alles neu!“

Darin liegt die Hoffnung: dass wir dem Neuen nicht ausgeliefert sind, sondern ihm vertrauend entgegensehen dürfen.

Marvin Schmidt/ Geschäftsführer eaf-nrw

Pressemitteilung der eaf

„Die Sommerferien sind vorbei, jetzt heißt es gemeinsam anpacken!“ Unter diesem Motto steht die aktuelle Pressemitteilung der evangelischen Arbeitsgemeinschaft Familie, welche sich neuerlich mit der Thematik „Kinderarmut“ auseinandersetzt. Dazu benötigt es eine starke Infrastruktur um dieser entgegenzuwirken, so der Appell der eaf.