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(C) Marvin Schmidt/ Diakonie RWL

Gedanken zur Jahreslosung 2026

16. Januar 2025

Gott spricht: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5)

Wow! Dies war der erste Gedanke, welcher mir beim Blick auf die diesjährige Losung 2026 in den Kopf schoss.

„Siehe, ich mache alles neu!“, was für einige bedrohlich klingen mag, wäre für andere ein dringendes Erfordernis und längst überfällig. In einer Welt, in der in den ersten Tagen des neuen Jahres weltpolitisch alles über den Haufen geworfen worden zu scheint und man das Gefühl bekommen könnte, Regeln und Normen die noch vor kurzem galten, sind bereits seit langem nicht mehr valide, besteht zeitgleich der Wunsch danach, anderes doch einmal im Grundsatz zu ändern (zu verbessern?)

In der Offenbarung 21,5 schrieb der Apostel Johannes, während seiner Verbannung auf die Insel Patmos, von Gottes Offenbarung an ihn, mit einer Vision vom Endes der Welt. Oder von einem Ende der Welt, wie wir sie kennen?

Für mich liegt ein wichtiger Akzent dieser Botschaft und Losung, im Wort „neu“. Gottes Worte beschreiben keine Reparatur, Rückkehr zu Vergangenem oder Nostalgie. Sie beschreiben etwas Neues, etwas bisher nicht Dagewesenes, eventuell sogar noch nicht Gedachtes oder Vorstellbares.

Ich möchte diese Jahreslosung mit Blick auf Familie positiv verstehen und deuten.

Viele Familien erleben aktuell hohe Belastungen, vor allem mentale Belastungen, brüchige Sicherheiten, das Gefühl den gesellschaftlichen Erwartungen kaum noch gerecht zu werden und den eigenen Ansprüchen ohnehin nicht. „…ich mache alles neu!“ kann in diesem Kontext als entlastende Botschaft gelesen werden. Nicht alles liegt in eurer Hand. Ihr müsst nicht aus eigener Kraft ein System stabil halten.

Wechselt man die Perspektive, kann sich ein ermutigender Gedanke bahnbrechen.

Familie muss nicht immer „funktionieren“ auch nicht wie „früher“. Nähe, Sorge und Verantwortung dürfen neu gedacht werden – generationsübergreifend, vielfältig, solidarisch. Auch Brüche (Trennung, Krankheit, Migration, Armut) sind kein Ende von Familie sondern oft der Ort, an dem Neues entsteht.

Für mich soll die Losung 2026 nicht als blinder Optimismus verstanden werden. Sie verschweigt nicht die Fragilität unserer Gesellschaft, unserer demokratischen Strukturen, die Vereinzelung vieler Menschen und die Überforderung von Familien. Sie setzt meiner Meinung nach jedoch einen Kontrapunkt gegen Zynismus und Rückzug.

Gott sagt nicht: Ihr macht alles neu.

Gott sagt: „Ich mache alles neu!“

Darin liegt die Hoffnung: dass wir dem Neuen nicht ausgeliefert sind, sondern ihm vertrauend entgegensehen dürfen.

Marvin Schmidt/ Geschäftsführer eaf-nrw