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Familienpolitik ist Wirtschaftspolitik

26. März 2026

Aus dem Zentrum Berlins wurde in dieser Woche (24.03.2026) ein deutliches Signal gesendet: Familienpolitik ist kein Randthema, sondern ein zentraler Standortfaktor für Wirtschaft, Fachkräftesicherung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Beim ersten Familienwirtschaftsgipfel, initiiert von Natascha Sagorski und ihrer Organisation „Familie sind alle“, kamen Vertreter*innen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen, um genau darüber zu sprechen: Wie lässt sich Familien- und Wirtschaftspolitik endlich zusammen denken – und gemeinsam gestalten?

Der Gipfel markierte zugleich den offiziellen Auftakt der Initiative „Unternehmen mit Haltung“, die Familienpolitik als Querschnittsaufgabe versteht und sie aus der sozialen Nische in die Mitte wirtschaftlicher und politischer Verantwortung rückt.

Familienpolitik als Standortvorteil

Deutlich wurde dies bereits in den politischen Impulsen. Bärbel Bas, Bundesministerin für Arbeit und Soziales und Schirmherrin der Veranstaltung, unterstrich, dass eine starke Familienpolitik nicht nur soziale Gerechtigkeit schafft, sondern die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland sichert. Gleichstellung, verlässliche Rahmenbedingungen und die reale Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsarbeit seien kein „weiches Thema“, sondern harte Standortfaktoren – für Frauen wie für Männer.

Bemerkenswert war dabei der parteiübergreifende Konsens: Vertreter*innen von SPD, CDU/ CSU und Bündnis 90/Die Grünen machten deutlich, dass die großen Herausforderungen – Fachkräftemangel, demografischer Wandel, Produktivität und gesellschaftlicher Zusammenhalt – nur gelöst werden können, wenn Familienpolitik und Wirtschaftspolitik nicht länger getrennt gedacht werden. Familienpolitik wurde auf dem Gipfel nicht als Kostenfaktor diskutiert, sondern als Investition in Stabilität und Zukunftsfähigkeit.

Wirtschaft übernimmt Verantwortung – konkret

Dass es dafür keinen Gesetzgeber auf Abstand braucht, zeigte ein zentrales Praxisbeispiel des Abends: Die FUNKE Mediengruppe führte bereits eigenständig eine bezahlte Familienstartzeit ein. Damit ermöglicht FUNKE Partner*innen von Müttern zehn bezahlte Tage Auszeit nach der Geburt eines Kindes – freiwillig, frühzeitig und vor einer bundesgesetzlichen Regelung.

Dieses Beispiel machte eindrucksvoll deutlich, welche Rolle Unternehmen spielen können, wenn sie Familienpolitik als Teil ihrer Verantwortung verstehen. Vereinbarkeit wurde nicht als Zusatzleistung beschrieben, sondern als Beitrag zu Gleichstellung, Mitarbeiterbindung und Unternehmenskultur. Oder anders gesagt: Haltung zeigt sich im Handeln.

Austausch auf Augenhöhe

Der Familienwirtschaftsgipfel überzeugte dabei nicht nur durch prominent besetzte Podien, sondern vor allem durch den offenen Austausch zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Diskutiert wurde über institutionelle Taktungen, über Zeit als knappe Ressource für Familien, über strukturelle Diskriminierung von Eltern im Arbeitsleben und über die Notwendigkeit, Care-Arbeit endlich mitzudenken – in politischen Prozessen ebenso wie in unternehmerischen Entscheidungen.

Dass Familienpolitik viele Politikfelder berührt – Arbeit, Wirtschaft, Gesundheit, Bildung, Soziales – wurde an diesem Abend greifbar. Genau hier setzte auch das Selbstverständnis der Veranstaltung an: Familienpolitik als verbindendes Thema, das gesellschaftliche Resilienz stärkt und demokratische Teilhabe fördert.

eaf‑nrw und eaf‑bund vor Ort

Als eaf‑nrw waren wir beim Familienwirtschaftsgipfel eingeladen und haben den Abend als wichtigen Impuls erlebt, Familienpolitik stärker als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu verankern. Neben uns nahm auch die eaf‑bund an der Veranstaltung teil – ein wichtiges Signal, dass familienpolitische Fragen auf Bundes- wie Landesebene zusammengedacht werden müssen.

Für die Arbeit der eaf‑nrw bestätigt der Gipfel zentrale Erfahrungen aus unserer Praxis: Zeitliche Entlastung, verlässliche Rahmenbedingungen und echte Vereinbarkeit sind keine individuellen Probleme einzelner Familien, sondern strukturelle Herausforderungen. Sie entscheiden darüber, ob Familien Anschluss finden – an Arbeit, an gesellschaftliche Prozesse und an demokratische Beteiligung.

Ein Auftakt mit Wirkung

Der erste Familienwirtschaftsgipfel war mehr als eine gelungene Veranstaltung. Er war ein Auftakt. Ein Ort, an dem sich zeigte, dass Bewegung möglich ist, wenn Politik und Wirtschaft Verantwortung teilen – und Familien nicht länger nur mitgedacht, sondern konsequent ernst genommen werden.

Familienpolitik ist Wirtschaftspolitik. Nicht als Schlagwort, sondern als gemeinsamer Auftrag.