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Was gehört hierher?

15. Juli 2026

Was Kinder uns über die Zukunft von Kirche verraten

Wie sieht eine evangelische Kirchengemeinde aus, die auch in Zukunft Menschen erreicht, Begegnung ermöglicht und ihren Sozialraum aktiv mitgestaltet? Welche Angebote werden geschätzt, welche Orte genutzt – und wo entstehen neue Erwartungen an Kirche als Teil des Gemeinwesens?

Mit diesen Fragen waren wir als eaf-nrw bei einem Gemeindefest unterwegs. Im Mittelpunkt stand dabei nicht die Vorstellung fertiger Konzepte, sondern die Einladung zum Mitdenken. Über zwei Tablets und einen 55-Zoll-Touchscreen konnten Besucher*innen ihre Gedanken, Wünsche und Ideen direkt über unser Mitmachtool einbringen.

Besonders interessiert hat uns dabei die Perspektive von Kindern und Jugendlichen. Ganz im Sinne der Jahreskampagne des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. „Weil Zukunft mit Kindern beginnt“ wollten wir erfahren, wie junge Menschen Teilhabe erleben, welche Rolle Kirche für sie spielt und was aus ihrer Sicht einen guten Ort für Kinder ausmacht.

Die Antworten zeigen: Kinder schauen mit bemerkenswerter Klarheit auf ihre Lebenswelt.

Auf die Frage „Was gehört hierher?“ entstanden zunächst sehr konkrete Ideen. Eine Rutsche. Eine Picknickwiese. Fahrrad- und Skateboardflächen. Spielmöglichkeiten. Orte zum Ausprobieren und Entdecken. Hinter diesen Vorschlägen verbirgt sich mehr als der Wunsch nach einzelnen Angeboten. Sie beschreiben Orte, die zum Verweilen einladen und an denen Kinder sich willkommen fühlen.

Auch die Antworten auf die Frage, was Kinder in der Kirche erleben können, geben Einblicke in ihre Erwartungen. Die Kinder sprachen vom Spielen, vom Singen, von Freundschaften und davon, neue Menschen kennenzulernen. Sie beschrieben die Möglichkeit, Gottesdienste mitzugestalten, Feste zu feiern und selbst aktiv zu werden.

Auffällig ist dabei, dass Kirche in den Aussagen der Kinder kaum als reiner Veranstaltungsort erscheint. Vielmehr wird sie als sozialer Raum wahrgenommen. Als Ort, an dem Menschen miteinander in Kontakt kommen, Gemeinschaft erleben und eigene Ideen einbringen können. Eine Aussage bringt dies besonders treffend auf den Punkt: Ein guter Ort für Kinder entsteht dort, „wo Kinder mitmachen können“.

Beteiligung wird damit nicht als zusätzliches Angebot verstanden. Sie gehört aus Sicht vieler Kinder selbstverständlich dazu.

Gleichzeitig zeigen die Rückmeldungen, dass junge Menschen durchaus offen für religiöse Inhalte sind. Mehrfach wurde genannt, dass Kinder in der Kirche etwas über Gott lernen können. Bemerkenswert ist jedoch, dass dieser Aspekt stets neben anderen Erfahrungen steht: Gemeinschaft, Freundschaft, Kreativität und Mitgestaltung. Die Antworten machen deutlich, dass spirituelle Erfahrungen für Kinder offenbar in engem Zusammenhang mit sozialen Erfahrungen stehen.

Während Kinder und Jugendliche vor allem über Möglichkeiten zum Mitmachen, Spielen und Mitgestalten sprachen, setzten ältere Teilnehmende häufig andere Schwerpunkte. Viele Besucher*innen ab 50 Jahren äußerten den Wunsch nach Orten der Begegnung und des Austauschs. Sie beschrieben die Bedeutung von Gemeinschaft, Gespräch und Miteinander. Gleichzeitig bestand Offenheit für neue Formate und kreative Zugänge, die Menschen zusammenbringen und Gemeinschaft zeitgemäß gestalten.

Zwischen den Generationen zeigen sich dabei weniger Gegensätze als vielmehr unterschiedliche Blickwinkel auf ein gemeinsames Anliegen: Menschen suchen Orte, an denen sie dazugehören, sich begegnen und einbringen können.

Genau darin liegt möglicherweise eine wichtige Zukunftsfrage für evangelische Kirchengemeinden. Die Ergebnisse des Mitmachtools deuten darauf hin, dass die Attraktivität eines Ortes weniger von einzelnen Angeboten abhängt als von seiner Kultur. Wird Beteiligung ermöglicht? Gibt es Raum für Begegnung? Können Menschen unterschiedlichen Alters ihre Perspektiven einbringen? Entsteht das Gefühl, Teil eines gemeinsamen Ganzen zu sein?

Die Kinder haben darauf erstaunlich einfache Antworten gegeben. Sie wünschen sich Orte zum Spielen, Lernen, Feiern, Freundschaften schließen und Mitmachen. Man könnte auch sagen: Sie wünschen sich Orte, an denen Leben stattfindet.

Vielleicht liegt genau darin ein wertvoller Impuls für die weitere Entwicklung von Kirche im Sozialraum. Wer die Zukunft gestalten möchte, sollte nicht nur über Menschen sprechen, sondern mit ihnen. Und manchmal sind es gerade die jüngsten Stimmen, die besonders deutlich zeigen, worauf es dabei ankommt.

Einige der Aussagen aus dem Mitmachtool sind in der begleitenden Collage „Stimmen der Kinder“ zusammengeführt.